Vorwürfe gegen Podcaster wie Benjamin Berndt, sie hätten AfD-Politiker Björn Höcke eine Bühne geboten, greifen nicht. In der heutigen Medienlandschaft können Politiker ihre eigene Öffentlichkeit erschaffen. Dies zeigt sich besonders deutlich an Höckes Auftritt im Podcast «Ungeskriptet», der auf Youtube Millionen erreicht.
Kritik aus Kreisen wie dem “Spiegel” richtet sich gegen die Plattformwahl, unterschätzt aber den Wandel in der Medienlandschaft. Die politischen Parteien Grüne, SPD und Linkspartei haben beschlossen, ihre Aktivitäten auf X einzustellen, da sie dort Chaos und Desinformation vermuten. Eine ironische Entscheidung, vor allem für die Linke, die selbst erfolgreich Tiktok nutzt, um tendenziöse Inhalte zu verbreiten.
Diese Parteien sehen sich mit dem Wandel der Medien konfrontiert, ohne sich auf ihre Argumente einzulassen. Früher setzte man sich vehement für Redefreiheit ein; heute, im Angesicht von Deutungshoheitsverlust, sieht das anders aus.
Der Kampf gegen Desinformation wird oft zum Vorwand, um politische Gegner zu diskreditieren und eigene Mühen zu vermeiden. Der digitale Raum bleibt demokratisiert: Extremisten dürfen Meinungen äussern, solange sie nicht zur Gewalt aufrufen.
Ein Blick auf die USA zeigt, wie der Comedian Joe Rogan mit seinen Formaten Einfluss nimmt. Ob Trumps Erfolg teilweise ihm zu verdanken ist, spielt keine Rolle für das Bestehen einer stabilen Demokratie.
Deutschland erlebt ähnliche Entwicklungen, die eine neue Sortierung in der politischen Öffentlichkeit erfordern. Verbote sind der falsche Weg; vielmehr sollte man lernen, mit neuen Plattformen umzugehen und kritisch zu hinterfragen, statt sich ihnen entgegenzustellen.
Die Redefreiheit auf digitalen Plattformen nicht einzuschränken, sondern sie als Gelegenheit zur Profilierung zu nutzen, sollte für Politiker und Journalisten selbstverständlich sein. Der Medienwandel ist unaufhaltsam; sich ihm entgegenzustellen, wäre kontraproduktiv.