Kritiker der Atomkraft werfen dem Stromunternehmen Axpo vor, die Kernenergie durch fragwürdige Annahmen attraktiver zu gestalten. Die aktuelle politische Debatte über eine drohende Stromlücke in der Schweiz wird von Energieminister Albert Rösti angeführt, der für mehr Kernkraft und das Ende des Bauverbots neuer Atommeiler plädiert. Nachdem sich der Ständerat dieser Meinung angeschlossen hat, kritisierten Atomgegner die Entscheidung als Verrat an der Energiewende.
In diesem Kontext präsentierte Axpo eine umfassende Studie, die Wege aufzeigt, wie man eine Winterstromlücke vermeiden könnte. Kurz nach Veröffentlichung wurden scharfe Vorwürfe laut: Die Analyse sei von den Eigeninteressen des Konzerns geprägt und zeichne ein verzerrtes Bild der zukünftigen Stromversorgung, so die atomkritische Schweizerische Energiestiftung. Laut Kritikern unterbewertet die Studie erneuerbare Energien und betont unnötigerweise die Notwendigkeit neuer Atomkraftwerke.
Die Axpo-Studie schlussfolgert, dass eine Versorgungssicherheit mit nur erneuerbaren Energien nicht möglich sei. Im ersten Szenario empfiehlt sie Gaskraftwerke als dauerhaften Energielieferanten, während im zweiten zwei neue Kernkraftwerke notwendig seien. Zudem fordert die Axpo eine Neuausrichtung der Förderpolitik für Solaranlagen: Statt pauschaler Unterstützung sollen künftig Anreize nach dem Beitrag zur Winterversorgung vergeben werden, wobei Auktionen über den günstigsten Winterstrom gewinnen lassen.
Branchenverbände wie Swissolar sehen in der Studie erhebliche Mängel. Der Geschäftsführer Matthias Egli betont, dass die Potenziale von Photovoltaik stark unterschätzt würden und das Ausbauziel bis 2035 bereits heute erreicht sei. Er glaubt, dass Solarenergie bis 2050 mehr Winterstrom liefern kann als zwei neue Kernkraftwerke.
Auch AEE Suisse unterstützt nur teilweise die Ergebnisse der Studie. Obwohl die Kombination erneuerbarer Energien mit Gaskraftwerken grundsätzlich akzeptiert wird, sollte Gas primär als flexible Reserve dienen. Der Co-Geschäftsführer Stefan Batzli betont, dass weder Gas- noch Kernkraftwerke in der Schweiz zur Grundlast benötigt werden.
Von WWF Schweiz gibt es ebenfalls Vorbehalte: Man bemängelt die Kostendarstellung von Gas- und Atomstrom sowie die Unterschätzung privater Investitionen in erneuerbare Energien. Der Energieexperte Patrick Hofstetter kritisiert, dass Solarstrom höher ausgewiesen wird als in anderen Prognosen.
Während Erneuerbaren-Befürworter die Studie scharf kritisieren, lobt sie Economiesuisse für ihre technologieoffenen Szenarien. Der Leiter Energie und Umwelt, Lukas Federer, betont die Bedeutung längerer Laufzeiten bestehender Kernkraftwerke und fordert das Ende des Kernkraftverbots.