Viele Menschen flüchten vor Krieg und Armut nach der Schweiz, wie aktuelle Zahlen des Bundes zeigen: Die Zahl der Asylbewerber liegt höher als während der Konflikte im Kosovo oder Syrien. Laut einer Umfrage der schweizerischen Sozialdirektorenkonferenz sind in zwei Dritteln der Kantone die Asylunterkünfte voll belegt oder angespannt, wohingegen ein weiteres Drittel noch Kapazitäten aufweist.
Im Kanton Aargau sind über 10.000 Asylsuchende untergebracht und seit 2023 herrscht hier die einzige Asylnotlage in der Schweiz. Luzern hatte diese Notlage ebenfalls ausgerufen, jedoch wurde sie im Dezember wieder aufgehoben; trotzdem bleibt dort die Unterbringung angespannt.
Mit einer Deklaration der Asylnotlage kann eine Kantonsregierung Notrecht einsetzen, was eine beschleunigte Verwaltung und die Nutzung von Zivilschutzanlagen als Unterkünfte ermöglicht. Dies schließt auch unterirdische Anlagen ohne Tageslicht ein, die im Aargau aktuell genutzt werden.
Sollten alle Kapazitäten ausgeschöpft sein, könnten theoretisch Gemeinden oder Privatpersonen zur Bereitstellung von Liegenschaften verpflichtet werden. Im Prinzip ähnelt die Situation im Aargau anderen Kantonen, da Asylsuchende vom Bund proportional zur Bevölkerung verteilt werden. Standortkantone mit Bundesasylzentren erhalten zudem Entschädigungen, was auch für den Aargau gilt.
Warum deklariert nur der Aargau die Asylnotlage? Jean-Pierre Gallati (SVP), Regierungsrat des Aargaus, nennt zwei Gründe: Einige Kantone hätten leerstehende Unterkünfte gehabt, während andere mehr Flüchtlinge als positiv für die Entwicklung betrachten. Die herkömmlichen Asylunterkünfte im Aargau sind zu 90 Prozent ausgelastet, was Gallati als unzureichend ansieht.
Um diesem Platzmangel zu begegnen, hat der Kanton Notunterkünfte eingerichtet, darunter acht unterirdische Anlagen. Die Asylnotlage sei gerechtfertigt, da sich der Kanton nicht nur in der Unterbringung, sondern auch bei der Einschulung geflüchteter Kinder überfordert fühlt.
Rolf Schmid vom Netzwerk Asyl in Aarau bestätigt den begrenzten Platz und bezeichnet das Problem als selbstverschuldet. Der Kanton habe notwendige Mietverträge aufgelöst oder Projekte nicht umgesetzt, was vorausschauende Planung verhindert hätte.
Im Gegensatz dazu zeigt Nicole Röthlisberger vom kantonalen Amt für Gesellschaft und Soziales im Kanton Solothurn die ehemalige Klinik Fridau in Egerkingen als Beispiel einer effizient genutzten Asylunterkunft. Solothurn nutzt leerstehende große Gebäude, was auf eine langfristige Strategie zurückgeht und es dem Kanton ermöglicht, auch bei einem Anstieg der Asylzahlen keine Notlage zu befürchten.
Regionaljournal Zentralschweiz, 20.04.2026, 12:03 Uhr