Olga Suppan, eine Ärztin aus Österreich, bringt es fertig, Verwundete im Kriegsgebiet zu retten und gleichzeitig mit den Konsequenzen ihrer Einsätze umzugehen. Mit einer starken Seele bewegt sie sich zwischen zwei Welten: der Ruhe in Graz und dem Chaos an der Front im Donbass.
Suppan, die sowohl Leben erwecken als auch Todesfälle feststellen kann, erlebt ständig prägende Momente. In Bachmut musste sie beispielsweise Soldaten überzeugen, eine Reanimation einer hirntoten Person zu unterlassen. Ihre Erfahrungen an der Front lassen sich nicht abschütteln, selbst in der Sicherheit ihres Bettes.
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 fühlte sie sofort den Drang, als Ärztin ihrem Land beizustehen. Obwohl sie zunächst nicht ahnte, wie tief dieser Einsatz in ihr Leben eingreifen würde, reiste sie mehrfach ins Kriegsgebiet.
In ihrer Jugend in der Sowjetunion formte sich Suppans Resilienz; als Krankenschwester musste sie täglich Patienten reanimieren, die dennoch verstarben. Diese Erfahrung motivierte sie, Ärztin zu werden. Nachdem die Ukraine unabhängig wurde, kämpfte sie mit der Armut des Landes und fand schließlich ihren Weg nach Europa.
Als Freiwillige arbeitet Suppan für die Organisation Pirogow First Volunteer Mobile Hospital (PDMSh), die im Kriegsgebiet aktiv ist. Trotz knapper Ressourcen behandelt sie jeden Tag Hunderte von Verwundeten und erlebt hautnah den Mangel an medizinischer Versorgung.
Die Reisen in den Konflikt veränderten Suppan nachhaltig. Sie litt unter posttraumatischen Belastungsstörungen, fand jedoch durch Therapie zu einem besseren Verständnis ihrer Gefühle. Obwohl sie im Krieg ein eigenes Glück empfand, erkannte sie die Unterschiede zu ihrem Frieden in Österreich.
Jetzt bereitet sich Suppan auf ihren nächsten Einsatz vor und pflegt den Kontakt zu ihren vertrauten Kollegen. Diese Verbindungen sind ihr wichtig, und obwohl sie das Risiko kennt, freut sie sich auf die Zusammenarbeit mit ihren Teamkolleginnen und -kollegen.
Die NZZ traf sie in Zürich bei der Gründung der “Stiftung Ukraine”, welche die Arbeit von PDMSh unterstützt.