In den Vereinigten Staaten wird die Einstellung gegenüber künstlicher Intelligenz zunehmend pessimistisch. Diese Stimmung nutzt auch die Politik im Wahljahr, indem sie Forderungen nach einer «Token-Steuer» und Einschränkungen für neue Datenzentren aufstellt. KI-Unternehmen passen sich ebenfalls an diese Ängste an. Coinbase hat Anfang Mai angekündigt, etwa 14 Prozent seiner Belegschaft – rund 700 Mitarbeiter – zu entlassen, da das Unternehmen eine Transformation zur KI-basierten Firma plant. Diese Entlassungen sind Teil einer breiteren Umwälzung im Arbeitsmarkt durch die Einführung von KI: Snap hat 16 Prozent seiner Belegschaft wegen KI gekündigt, und Block hat gar 40 Prozent entlassen. Bei Meta werden dieses Monat 8.000 Mitarbeiter entlassen – das entspricht 10 Prozent der Belegschaft – wobei zusätzlich 6.000 offene Stellen nicht besetzt werden. Solche Entwicklungen befeuern die Skepsis gegenüber KI, deren Nutzung in den USA weit verbreitet ist: Fast 80 Prozent der Bürger setzen bereits auf KI-Tools, und jeder Dritte verwendet diese mehrmals täglich. Trotzdem äußern viele Bedenken über die Auswirkungen von KI auf Wirtschaft und Gesellschaft. Eine Umfrage von NBC im März zeigt, dass 57 Prozent der registrierten Wähler glauben, die Nachteile von KI würden ihre Vorteile übertreffen. Besonders junge Menschen (18 bis 34 Jahre) sehen KI kritisch, da sie als Berufseinsteiger am ehesten betroffen sind. Diese negative Einstellung in den USA ist stärker ausgeprägt als international: Laut einer Umfrage von Pew Research zeigen sich weltweit durchschnittlich 34 Prozent der Bürger besorgt über KI, während es in den USA jeder Zweite ist. Die Skepsis gegenüber KI ist eines der wenigen Themen, bei denen Demokraten und Republikaner übereinstimmen: In Umfragen sehen beide Parteien die Technologie kritisch. Seit 2021 hat sich diese Skepsis parteiübergreifend verstärkt. Politiker machen KI-Angst zu einem zentralen Thema ihrer Wahlkampagnen, insbesondere vor den Kongresswahlen am 3. November. Der Demokrat Alex Bores fordert eine «Token-Steuer» für Firmen und erhält sowohl Unterstützung als auch Widerstand von pro-KI-Gruppen. Gleichzeitig warnt der republikanische Gouverneur Ron DeSantis vor einem «Zeitalter der Dunkelheit und des Betrugs», das KI bringen könnte, und hat versucht, eine«AI Bill of Rights» zu etablieren. Bernie Sanders, ein Senator aus Vermont, schloss sich dieser Warnung an: Er prognostiziert den Verlust von Dutzenden Millionen von Arbeitsplätzen durch KI in den nächsten Jahren. Die Angst vor KI manifestiert sich konkret bei Datenzentren. Diese Anlagen verbrauchen große Mengen Strom – ein modernes Zentrum benötigt etwa eine Gigawatt-Leistung, was dem gesamten Verbrauch von San Francisco entspricht. Dies treibt die Strompreise in die Höhe: In Virginia stiegen die Preise zwischen Sommer 2021 und 2025 um 30 Prozent auf 16 Cent pro Kilowattstunde. Als Reaktion darauf versuchen elf Bundesstaaten, den Bau von Datenzentren zu verbieten. Diese steigende Unbeliebtheit könnte das Wachstum der KI-Technologie bremsen. Firmen wie Anthropic und Open AI investieren daher in Initiativen, die KI als bereichernd darstellen sollen. Sie arbeiten mit Beratungsunternehmen zusammen und gründen eigene Beratungsfirmen, um den Einsatz von KI zu fördern. Zudem hat Open AI den Technologie-Podcast «TBPN» übernommen, um positive Diskussionen über die Technologie zu führen.