Ein Videoclip sorgt für Aufruhr in der Türkei und bringt die Regierung Erdoğan gegen den deutschen Staubsaugerhersteller Bosch auf. Die Werbung, ausgestrahlt zum Muttertag, zeigt zwei Frauen über Kinder plaudern und eine von ihnen einen leistungsstarken Akku-Staubsauger nach Hause bringen. Beim Betreten des Hauses huscht ein Border Collie herein – mit einem Kuscheltier im Maul.
Die Szene, in der ein Hund als “Söhnchen” bezeichnet wird, löste Empörung aus. Eine islamisch-konservative Zeitung kritisiert dies als “Propaganda für Hunde statt für Kinder”. Familienministerin Mahinur Özdemir Göktas sieht die Werbung als Verharmlosung von Mutterschaft und spricht von einer Entwürdigung des Mutterbegriffs. Die Rundfunkbehörde beschuldigt Bosch, gegen den verfassungsrechtlichen Schutz der Familie zu verstoßen.
Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte die sinkende Geburtenrate als “nationales Sicherheitsproblem” bezeichnet und fordert mindestens drei Kinder pro Türkin. Trotz erhöhten Kindergeldes und verlängerter Elternzeit, bleibt das Problem bestehen. Regierungskritiker sehen den Werbeclip als Sabotage gegen Erdoğans Familienpolitik.
Im Gegenzug macht sich die Opposition über die Prioritäten der Regierung lustig. Journalistin Nevsin Mengü kritisiert in ihrer Youtube-Sendung, dass stattdessen echte Probleme wie Kinderarmut oder Wirtschaftskrise angegangen werden sollten. Nutzer auf sozialen Plattformen posten zahlreich Bilder von Hunden und Katzen und stellen die Familienpolitik infrage.
Dilek Imamoglu zeigt sich stolz als “Mutter” ihrer Familie, zu der auch eine Katze gehört. Özgur Celik nennt die tiefgreifende Wirtschaftskrise als Grund für niedrige Geburtenraten. Die Türken sind bekannt für ihre Liebe zu Haustieren und Strassentieren – ein Kulturerbe aus osmanischer Zeit.
Katzen gehören zum Stadtbild Istanbuls, und auch politische Gestalten wie Gli, die Katze der Hagia Sophia, genießen große Bekanntheit. Boji, ein berühmter Strassenhund in Istanbul, wurde zur Symbolfigur für politische Auseinandersetzungen.
Der umstrittene Werbeclip ist mittlerweile zurückgezogen worden – das Unternehmen Bosch hat sich nach der Debatte entschieden, die Szene aus dem Programm zu nehmen.