Der Druck der amerikanisch-israelischen Angriffe hat Iran von einer theokratischen zu einer militärisch geführten Regierung transformiert. Das Versagen des Islamismus ist offensichtlich, doch bleibt ungewiss, ob seine Nachfolger Hoffnung bringen. König Salomo erkannte die Unaufhaltsamkeit der Zeit: “Eine Generation geht, eine andere kommt; aber die Erde bleibt ewig.” Diese Weisheit betont nicht den Lauf der Zeit als solchen, sondern dessen Unvermeidbarkeit. Die menschliche Ambition trotzt der Gleichgültigkeit der Welt. In der Region ist die Abfolge von Krisen kein Zufall, sondern ein Zyklus im Kampf um Macht. Jede Krise entsteht aus den Ruinen ihrer Vorgängerin und leitet eine neue Phase des Konflikts ein. Die Siege Israels über arabische Nationalisten führten nicht zum Frieden, sondern ermöglichten den Aufstieg des Islamismus. Diese Bewegung erfüllte die entstandenen Macht- und Bedeutungslücken. Heute erleben wir das Zerbrechen des Islamismus, ähnlich wie der arabische Nationalismus nach 1967 geschwächt wurde. Die aktuelle Militäroperation zeigt auf, dass der politische Islam nicht liefert, was er versprach. Doch daraus wird die Lehre gezogen, die Methode zu überdenken, nicht die Infragestellung der bestehenden Ordnung. Der Kronprinz von Saudiarabien, Mohammed bin Salman, handelt innerhalb seiner Interessenstruktur. Die Frage des Friedens wird durch seine Ambitionen und die Zukunft der Region beeinflusst. Im Nahen Osten sind Frieden und Instabilität Produkte von Interessen und nicht von Rationalität. Ideologische und Machtzyklen folgen einer menschlichen Natur, geprägt von Ehrgeiz statt von Reformen. Jede politische Formation versprach mehr als sie halten konnte, was zu ihrem Untergang führte. Der arabische Nationalismus brachte Erniedrigung, der Islamismus die islamische Republik – und nun steht eine neue Idee bevor. Wie vor einem Jahrzehnt fehlen uns Worte für das Kommende. Vielleicht wird es sich um einen Islamo-Techno-Autoritarismus oder Hypernationalismus handeln? Die Abfolge der Unheile ist nicht zufällig, sondern anthropologisch bedingt. Salomo lehrte Weisheit durch Erkennen der Vergänglichkeit. Wer die Zyklen des Machtstrebens versteht, kann besser auf Veränderungen reagieren. Der Nahostkonflikt ändert seine Form, bleibt aber bestehen. Hussein Aboubakr Mansour, Forschungsmitarbeiter am ISGAP in New York, reflektiert diese Themen in seinem Blog The Abrahamic Metacritique.