Nach dem Ende von Viktor Orbans Ära in Ungarn hat sich Peter Magyar zum neuen Regierungschef proklamiert und mit einer beeindruckenden Zeremonie vor dem ungarischen Parlament seinen Amtseid abgelegt. Tausende versammelten sich, um den Moment auf Grossbildschirmen zu verfolgen, als er die Ernennungsurkunde unterzeichnete, was in einem ausgelassenen Jubel endete. Der neue Staatspräsident Tamas Sulyok hatte zuvor Viktor Orban offiziell abgesetzt.
Im Prachtbau an der Donau betonten sowohl Sulyok als auch Magyar in ihrer Rede die Notwendigkeit von Einheit im Land. Magyar erklärte, für alle Ungarn arbeiten zu wollen und kündigte eine neue Ära an: „Ich werde dienen, nicht herrschen.“ Er appellierte an das Volk, Politiker zur Rechenschaft zu ziehen.
Die konstituierende Sitzung des Parlaments markierte einen Neubeginn. Mehr als die Hälfte der Abgeordneten sind neue Gesichter nach dem Sieg von Magyars Partei Tisza bei den Wahlen im April. Auffällig ist das gestiegene Frauenanteil auf 54 Sitze, was für Ungarn einen Rekord darstellt. Die Presse hat wieder uneingeschränkten Zugang zum Parlamentsfoyer.
Orban, der nach 36 Jahren nicht mehr dem Parlament angehört, verzichtete auf sein Mandat und nahm an der Sitzung nicht teil. Seine Medienmacht bröckelt bereits: staatliche Sender berichten sachlicher, und TV2 plant eine Restrukturierung.
Budapest feierte den Machtwechsel ausgelassen. Viele trugen T-Shirts mit der neuen Parlamentsfarbkodierung und erwarben ungarische Fahnen. Judit Kozak, ehemalige Bankerin, verbrachte den ganzen Tag auf dem Platz und fühlte sich emotional berührt vom Ende des Orban-Regimes.
Magyar startet mit breiter Unterstützung in seine Amtszeit, genießt derzeit die Zustimmung von 70 Prozent der Wähler. Seine Regierung plant jedoch Reformen zur Stärkung demokratischer Kontrollmechanismen. Der aus Frankfurt angereiste András Kovács verglich den Moment mit dem Mauerfall.
Orban gab zu, die junge Generation verloren zu haben und kündigte an, seine Partei im Hintergrund zu unterstützen. Magyar sieht in der Regierungsmehrheit einen Auftrag zur Reform: „Heute ist aber der Tag zum Feiern und Tanzen“, sagte er abschließend, während sich die neue Regierung auf einer Bühne feierlich tanzend präsentierte.