Mit einem spannenden Teaser zur Zusammenarbeit mit Audemars Piguet weckt Swatch die Begeisterung von Uhrenliebhabern weltweit. Dieser Schachzug von Nick Hayek, dem Chef der Swatch Group, kommt genau zum richtigen Zeitpunkt: während Aktionäre über Machtstrukturen und notwendige Reformen im Konzern debattieren.
Nick Hayeks Fähigkeit, die Begeisterung für Uhren zu entfachen, ist unbestritten. Nach einem mysteriösen Werbeaufruf hat Swatch eine Kooperation mit Audemars Piguet angekündigt und so die Spekulationen angeregt. Was am 16. Mai enthüllt werden soll, bleibt unbekannt, doch die Partnerschaft mit einer der exklusivsten Marken im Uhrensegment lässt die Gerüchteküche brodeln.
Das Projekt trägt den Namen Royal Pop und bezieht sich auf die ikonische Royal Oak von Audemars Piguet, entworfen 1972 von Gérald Genta. Diese Uhr gilt als eine der prägendsten des 20. Jahrhunderts und ist hoch begehrt. Während das Original teure Summen kostet, könnte Swatch nun ein Stück dieser Exklusivität für einen dreistelligen Franken anbieten.
Frühere Projekte wie die Moon-Swatch oder die Kooperation mit Blancpain haben gezeigt, dass Hayek Luxusmythen in preiswerte Swatch-Modelle übertragen kann. Mit Audemars Piguet jedoch betritt er Neuland: Während Omega und Blancpain zur Swatch Group gehören, bleibt Audemars Piguet unabhängig. Dass eine solche Marke ihr wertvollstes Design mit Swatch teilt, ist mehr als nur ein Marketingcoup.
Was auf den Markt kommen wird, bleibt im Dunkeln. Die Hinweise lassen eher an eine Taschenuhr am Band denken, was nicht ungewöhnlich wäre – Handtaschen tragen bereits viele Charme-Armbänder. Nach Labubus könnte nun die Zeit für Royal Pops gekommen sein.
Der Hype ist perfekt auf den Moment abgestimmt: Am Dienstag steht eine schwierige Generalversammlung der Swatch Group an, bei der der aktivistische Aktionär Steven Wood einen Sitz im Verwaltungsrat anstrebt. Er fordert Reformen in der Unternehmensführung und argumentiert, dass die Swatch Group Marktanteile verloren hat und ohne unabhängige Stimmen sowie Expertise für den Kapitalmarkt und internationale Märkte dasteht.
Die Familie Hayek wird versuchen, Woods Einfluss zu blockieren. Der Konflikt offenbart jedoch deutliche Meinungsverschiedenheiten zwischen der Familie und einem Teil der Investoren.
Während die Aktionäre über Reformen diskutieren, lenkt Hayeks Strategie den Fokus auf das Spekulieren bei Uhrenenthusiasten. Die Hayeks haben immer wieder geschafft, Hypes zu erzeugen, selbst unter denen, die sich echte Luxusuhren nicht leisten können.
Obwohl eine Royal Pop den Aktienkurs der Swatch Group nicht explodieren lässt oder Governance-Debatten löst, verlagert sie zumindest kurzzeitig das Gespräch. Anstatt über unveränderte Strukturen in der Familie Hayek wird nun über Pop-Art am Handgelenk diskutiert.
Nach der Generalversammlung könnte Nick Hayek mehr Gegner unter den Investoren haben, doch Ende Woche dürfte er die Unterstützung vieler Uhrenfans gewonnen haben.