Die SVP setzt sich für eine Begrenzung des Bevölkerungswachstums ein. Bundesamt für Statistik-Daten beleuchten das Potenzial dieser Pläne, die kontrovers diskutiert werden. Das Vorhaben der SVP könnte als bahnbrechend gelten: Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» will erstmals weltweit in einer Verfassung festlegen, wie viele Menschen maximal im Land leben dürfen. Der erste Satz des Initiativtextes lautet deutlich: «Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz darf zehn Millionen Menschen vor dem Jahr 2050 nicht überschreiten.» Nach 2050 ist ebenfalls eine Begrenzung vorgesehen. Übertritt die Schweiz diese Grenze, fordert die Initiative konkrete Maßnahmen, wie etwa den Austritt aus der Personenfreizügigkeit mit der EU. Die Abstimmung über dieses Vorhaben am 14. Juni könnte entscheidend für das Land sein. Die Auswirkungen dieser Pläne sind umstritten. Das Bundesamt für Statistik (BfS) liefert dafür Daten, die bis 2055 reichen und teilweise bereits ab 1861 zurückgehen. Diese erlauben es, einige der durch die Initiative aufgeworfenen Fragen zu beantworten. Von 2000 bis 2025 stieg die Bevölkerung von 7,2 Millionen auf 9,1 Millionen an – vor allem wegen Migration. Der «Wanderungssaldo» machte etwa vier Fünftel des Wachstums aus, während ein Geburtenüberschuss nur einen kleinen Teil beisteuerte. Das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum lag bei 0,9 Prozent und war somit im europäischen Vergleich moderat. Die Schweiz wuchs in absoluten Zahlen jedoch stärker als viele andere Länder, wie Europa zeigt. Die demografische Statistik des BfS verdeutlicht die Zusammensetzung der Einwanderung: 14 Prozent waren Asylsuchende oder Personen mit Status S (Ukraine-Flüchtlinge), ohne diese Gruppe sind es noch immer 8 Prozent. Die meisten Zuwanderer kommen unter den Bedingungen der Personenfreizügigkeit. Die Statistiken legen nahe, dass selbst bei einem Stopp der Asylmigration die Zuwanderung nicht stark genug reduziert werden könnte, um die SVP-Initiative zu erfüllen. Dies würde die Personenfreizügigkeit bedrohen. In städtischen Gebieten wie Zürich, Genf und Basel ist die Bevölkerungsdichte vergleichbar mit europäischen Metropolen. Die Referenzprognose des BfS sieht den 10-Millionen-Punkt im Jahr 2041 erreicht, wobei das Szenario stark von Annahmen zur Zuwanderung abhängt. Die Prognosen des BfS haben sich seit 2010 als zuverlässiger erwiesen. Unter der SVP-Initiative müsste die Bevölkerung um durchschnittlich 35.000 Personen pro Jahr wachsen, was einem Rückgang von 27 Prozent gegenüber dem Referenzszenario entspricht. Die Alterung der Gesellschaft und niedrige Geburtenraten könnten den Spielraum für Zuwanderung leicht erhöhen, sodass etwa 37.000 Personen jährlich zugewandert werden dürften. Ein reduzierter Wanderungssaldo würde die Bevölkerungsstruktur weiter veralten lassen. Kantone mit bereits schwächerem Wachstum könnten besonders betroffen sein und sich stärker überaltern. Die Initiative erlaubt keine Überschreitung der 10-Millionen-Grenze nach 2050, es sei denn es gibt einen Geburtenüberschuss – ein Szenario, das in naher Zukunft unwahrscheinlich ist.