Als ehemalige Olympia-Athletin wird Alina Kabajewa als vertraute Person des Kreml-Chefs Wladimir Putin angesehen. Ihre Turnerinnen repräsentieren Russland bei den Europameisterschaften in Bulgarien, was Spannungen innerhalb der Community offenbart. Maria Borisowa, 19-jährige russische Meisterin in rhythmischer Sportgymnastik, wird während des Trainings von Kabajewas Stimme motiviert. Im Hintergrund angetrieben, versucht sie bei ihren Übungen mit Band und Keulen zu punkten. Nachdem Russland wegen der Invasion in die Ukraine aus internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen war, nimmt das Team nun unter neutraler Flagge teil. Die 42-jährige Kabajewa, die nach olympischem Erfolg verschwand, kehrte 2022 mit ihrer Akademie für rhythmische Sportgymnastik zurück. Diese ist in Russland mehr als nur ein Sport; sie gilt als Kult. Ihre Einrichtung trägt den Namen „Himmlische Grazie“, angelehnt an ihre frühere Bezeichnung. Kabajewa, deren Verbindung zu Putin von unabhängigen Medien thematisiert wird, steht im Zentrum der Kontroversen um die Teilnehmerauswahl für Varna. Kritiker, vorwiegend Mütter der Sportlerinnen, fordern eine Änderung der Auswahl. Auf sozialen Plattformen äußern sie ihren Unmut über Kabajewas Einfluss und mangelnde Transparenz. Ihr Erfolg wird teils als Resultat von Nähe zum Kreml gesehen. Kabajewa leitet nun den nationalen Turnverband, nachdem sie Irina Winer, die ehemalige Zarin der russischen rhythmischen Sportgymnastik, abgelöst hat. Die autoritäre Winer, bekannt für ihre harten Trainingsmethoden, beschrieb Kabajewa einst als „meine Lieblingsschülerin“. Ein Film über Mamun dokumentiert die Härte ihrer Ansätze. Kabajewas sanfterer Stil wird von ihren Athletinnen geschätzt. Dennoch zeigt sie gelegentlich ähnliche herrische Züge wie Winer, was der Streit um die EM offenbart. Der Konflikt zwischen den beiden Schulen der russischen Gymnastik zeigte sich deutlich bei den Brics-Spielen 2024 in Kasan. Während Kabajewa eigene Turn-Cups organisiert und neue Regeln einführt, lehnt Winer die Teilnahme an den EM ab. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Athletinnen spiegeln tiefgreifende Bruchlinien im russischen Turnsport wider.