Trotz eines außerordentlichen Erntejahres 2025 und gefüllter Getreidelager bleibt die Schweiz auf Getreideimporte angewiesen. Die Frage stellt sich, ob hier strengere Regelungen notwendig sind.
Simone Barth von der «Bauernzeitung» warnt vor einer möglichen Verdrängung des inländischen Angebots durch billigere Importe. Insbesondere IP-Suisse-Betriebe im Seeland seien betroffen, wenn ihre pestizidfreien Erzeugnisse mit preiswerterem Bio-Getreide aus dem Ausland konkurrieren.
Barth plädiert für einen «Inländervorrang», um zu verhindern, dass hochwertiger Schweizer Brotweizen in Futtertrog landet. Der Schweizer Getreidemarkt ist jedoch komplex und besteht aus verschiedenen Segmenten wie Bio, IP-Suisse und Suisse Garantie, die jeweils eigene Regeln befolgen.
IP-Suisse erlaubt einen eingeschränkten Einsatz von Kunstdünger und ermöglicht den Anbau ohne eine Umstellung des gesamten Betriebs. Im Gegensatz dazu verlangen Bio Suisse-Standards strenge Vorgaben für die ganze Produktion.
Politische Entscheidungen, wie die Erhöhung des Importkontingents auf 70.000 Tonnen durch den Bundesrat im Jahr 2025, haben ebenfalls Auswirkungen auf den Markt. Diese Anpassung erfolgte als Reaktion auf eine schwache Ernte im Vorjahr.
Christophe Eggenschwiler von IP-Suisse beschreibt die Ernte 2025 als überdurchschnittlich gut. Trotzdem ist der Schweizer Markt begrenzt und kann die Nachfrage nicht vollständig decken, was durch steigende Importe verschärft wird.
Im Bio-Segment zeigt sich ein differenzierteres Bild: Lukas Inderfurth von Bio Suisse betont die hohe Inlandproduktion im Jahr 2025, weist jedoch darauf hin, dass Schwankungen üblich sind und Schweiz immer noch auf Importe angewiesen ist.
Alice Brunold von Fenaco beschreibt eine gesicherte Versorgung bei gleichzeitigem Lagerproblem für Brot- und Biogetreide. Der steigende Import von Teiglingen, die in der Schweiz verarbeitet werden, verschärft den Wettbewerb im Lebensmittelhandel.
Lorenz Hirt vom Müllerverband DSM kritisiert den Preisdruck durch billigere EU-Importe und fordert eine Anpassung um acht bis zehn Franken. Der steigende Importanteil belastet die Exportfähigkeit der Schweiz in Bereichen wie Dauerbackwaren.
Der Ruf nach einem «Inländervorrang» zeigt, dass im Schweizer Getreidemarkt grundsätzliche Fragen bestehen. Die Branche benötige eine gemeinsame Strategie, um nicht nur auf den Preis zu fokussieren, sondern auch die Mehrwerte des inländischen Angebots besser zu kommunizieren.