Die Schweiz wird oft als gesundheitsbewusstes Land beschrieben, zeigt jedoch auch hohe Stressniveaus. Junge Menschen sind besonders von digitaler Überlastung und beruflichem Druck betroffen. Im Gegensatz dazu fühlen sich Ältere insgesamt weniger gestresst, bewegen sich häufiger und ernähren sich gesünder. Der “Präventionsradar Schweiz” der Sanitas-Stiftung in seiner zweiten Ausgabe, basierend auf Umfragen von rund 2000 Menschen zwischen 18 und 84 Jahren, unterstreicht die Bedeutung der Gesundheitsvorsorge für viele Bürger. Eine Mehrheit sieht jedoch Prävention nicht als staatliche Aufgabe.
Soziale Bindungen sind entscheidend für das Wohlbefinden: Personen mit mehreren engen Kontakten berichten über höhere Zufriedenheit in Bezug auf Fitness, Ernährung und Schlaf. Dennoch bleibt unklar, wie sich die Größe des Netzwerks konkret auf Zufriedenheitswerte auswirkt.
Stress wird vor allem von den 18- bis 44-Jährigen berichtet, während es bei Personen über 60 seltener vorkommt. Fast ein Drittel der Schweizer fühlt sich oft gestresst, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Die Hauptursachen des Stresses sind beruflicher, emotionaler und sozialer Druck. Mit zunehmendem Alter nimmt der berufliche und soziale Stress ab, während gesundheitsbezogener Stress steigt.
Das Smartphone wird von über einem Drittel der Befragten als Belastung empfunden, insbesondere durch ständige Erreichbarkeit und Push-Nachrichten. Digitale Spiele dagegen werden von 27 Prozent als Entspannungsmittel genutzt.
Lebensphasen beeinflussen Stress- und Bewegungsverhalten unterschiedlich: Junge Erwachsene stehen meist in Ausbildung oder am Anfang ihrer Karriere, während jüngere Berufstätige häufig familiäre Verantwortungen tragen. Pensionierte Menschen nutzen mehr Zeit für Reisen und Entspannung. Rund ein Drittel der Schweizer treibt keinen Sport; dennoch bewegen sich 90 Prozent mindestens leicht an einem bis zwei Tagen pro Woche.
Das traditionell eigenverantwortliche Gesundheitsverständnis in der Schweiz wird teilweise durch die Erwartung staatlicher Unterstützung ergänzt: 11 Prozent sehen beim Staat und 12 Prozent bei den Krankenkassen eine Hauptverantwortung für ihre Gesundheit. Bei Kostenübernahme vermuten 32 Prozent primär die Verantwortung bei den Krankenkassen, während 27 Prozent dies auf sich selbst beziehen.
Jüngere Befragte sind eher dafür, dass der Staat in Präventionsmaßnahmen eingreift, etwa durch Ernährungsrichtlinien oder finanzielle Unterstützung von Vorsorgeuntersuchungen.
Ein weiteres Thema der Studie ist die Zunahme von Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy bei der Bekämpfung von Fettleibigkeit. Trotzdem zeigt sich Skepsis: 80 Prozent lehnen den Einsatz solcher Medikamente für sich selbst ab, und nur 5 Prozent befürworten eine vollständige Kostenübernahme durch Krankenkassen. Eine Mehrheit findet die Übernahme der Kosten bei einer Diagnose akzeptabel, während andere die Finanzierung über Zusatzversicherungen oder Eigenmittel bevorzugen.