In Taipeis Stadtteil Tamsui steht eine nachgebildete Freiheitsstatue, deren Farbe an einigen Stellen abblättert. Dies könnte als Symbol für die derzeit fragilen taiwanisch-amerikanischen Beziehungen stehen: stabil, doch mit unsicherer Zukunft.
Donald Trump trifft sich am Donnerstag in Peking dreimal mit Xi Jinping: erst bilaterale Gespräche, dann ein Staatsbankett und zuletzt Tee und Business-Lunch. Obwohl der US-Präsident einen guten Deal anstrebt, hat er nur wenige Handlungsoptionen. Die Befürchtung in Taiwan ist groß, dass Trump die etablierte US-Politik gegenüber China und Taiwan über Bord werfen könnte.
China beansprucht Taiwan als eigenes Territorium und droht mit militärischem Eingreifen, sollte sich die Insel für eine Unabhängigkeit entscheiden. Chinas Aussenminister Wang Yi bezeichnete das Thema jüngst als “größtes Risiko” für bilaterale Beziehungen.
Es wird erwartet, dass Xi Jinping die Vereinigung Taiwans mit China als historische Notwendigkeit darstellen wird. Wie Trump darauf reagieren wird, bleibt offen. Tony Hu, früherer Direktor im US-Verteidigungsministerium für Angelegenheiten Chinas und Taiwans, glaubt nicht an Konzessionen von Trumps Seite: “Xi könnte fordern, dass Trump klarstellt, die USA stehen einer Unabhängigkeit Taiwans ablehnend gegenüber. Aber ich bin sicher, Trump wird standhaft bleiben.” Hu ist überzeugt, dass Trump die Bedeutung Taiwans versteht und die Selbstbestimmung der Insel unterstützt.
Die US-Politik gegenüber China und Taiwan folgt dem Prinzip der Zweideutigkeit: Waffenlieferungen an Taiwan sind erlaubt, während unklar bleibt, ob im Fall eines chinesischen Angriffs auch mit militärischem Eingreifen durch die USA zu rechnen ist.
Shen Ming-Shih vom Institut für nationale Verteidigungs- und Sicherheitsforschung INDRS erwartet ebenfalls, dass Xi Jinping das Taiwan-Thema auf den Tisch bringen wird. “Wie kann Taiwan ohne US-Unterstützung überleben?” fragt er. Daraufhin bereitet man sich bereits auf Worst-Case-Szenarien vor.
Die Mehrheit der Taiwanesen wünscht sich, dass beim Status quo bleibt und Trump im Streben nach einem Wirtschaftsdeal nicht Taiwan zugunsten Chinas vernachlässigt.