Valeria Wieser berichtet: Der Geschäftsbericht des Zuger Obergerichts zeigt, dass die dritte Gewalt an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. Die Gerichte haben schon länger mit einer hohen Anzahl von Fällen zu kämpfen, doch der Trend verschärft sich weiter. Im Geschäftsbericht 2025 wird deutlich, dass immer mehr komplexe Verfahren eröffnet werden müssen.
Im vergangenen Jahr wurden bei der Staatsanwaltschaft 11’163 Verfahren eingeleitet – ein Anstieg von rund 1000 Fällen gegenüber dem Vorjahr. Obwohl die Fallzahlen denen aus den Jahren 2016 bis 2018 ähneln, sind es heute komplexere Fälle, die mehr Ressourcen binden. Während die Abteilungen für Wirtschaftsdelikte und Jugendstrafverfahren die Erledigungszahlen steigern konnten, blieb dies in der Abteilung “allgemeine Delikte” aus. Zum Jahresende waren 2296 Verfahren hängig – ein Plus von 2,5 Prozent.
Diese Situation wird durch personelle Wechsel verschärft, vor allem altersbedingte Rücktritte. Um dem entgegenzuwirken, wurden ab 2025 drei zusätzliche Personaleinheiten genehmigt. Das Obergericht hofft auf eine Entlastung der Pendenzen durch diese Maßnahme.
Auffallend ist auch die Zunahme von Fällen mit Stillständen über sechs Monate, von 18 auf 50 gestiegen. Die Fluktuation in der Abteilung “allgemeine Delikte” führte zu zahlreichen Handwechseln und erschwerte eine kontinuierliche Bearbeitung.
Das Obergericht bleibt optimistisch hinsichtlich einer Verbesserung durch straffere Führung und organisatorische Maßnahmen. Trotz Herausforderungen funktioniert die Staatsanwaltschaft dank dem Engagement ihrer Mitarbeiter gut, doch ein weiterer personeller Ausbau scheint unvermeidbar.
Beim Strafgericht blieb der Trend negativ: Obwohl mehr Fälle erledigt wurden, stieg die Zahl der Pendenzen auf Rekordhöhe. Nur etwa die Hälfte der Einzelgerichtsfälle konnte abgeschlossen werden. Die Staatswirtschaftskommission (Stawiko) äußerte sich kritisch über den Arbeitsausfall eines Gerichtsmitglieds, das nun für zwei Jahre ersetzt wird.
Auch beim Kantonsgericht stieg die Zahl der Pendenzen aufgrund neuer Einträge und komplexer Fälle. Der durchschnittliche Bearbeitungsaufwand nahm zu, beeinflusst durch höchstrichterliche Rechtsprechung und internationale Verflechtungen.
Die Friedensrichterämter verzeichneten ebenfalls mehr Eingänge, besonders in den Gemeinden Zug und Baar. Die Zahl der Schlichtungsverfahren stieg, wobei die Erledigungen die Zunahme etwas ausgleichten.
Obergerichtspräsident Marc Siegwart betont die Notwendigkeit von personellen Aufstockungen, um die hohe Qualität der Rechtspflege im Wirtschaftskanton Zug zu sichern. Trotz steigender Herausforderungen durch Bevölkerungswachstum und dynamische Entwicklung in der Wirtschaft bleibt das Ziel, zum Rechtsfrieden beizutragen.