Das diesjährige ‘Balikatan’-Manöver war das bisher umfangreichste, mit erstmals teilnehmenden Kampftruppen aus Japan – eine Entscheidung, die in Peking auf Ablehnung stößt. Raketen zischen durch den Himmel und treffen ein unsichtbares Ziel im Meer, während Artilleriegranaten dumpf ins Wasser einschlagen. Eine Flugabwehr-Rakete verfehlt knapp eine Drohne, und schwere Maschinengewehre feuern auf anfliegende feindliche Soldaten, die aus einem imaginären Landungsboot angreifen.
Im Zentrum dieser Übung in den Sanddünen bei Laoag in Nordphilippinen steht das jährliche ‘Balikatan’-Manöver. Ursprünglich zwischen den USA und Philippinen 1981 ins Leben gerufen, hat es sich zu einem multilateralen Event entwickelt, an dem dieses Jahr rund 17.000 Soldaten teilnahmen, darunter erstmals 1400 aus Japan.
‘Balikatan’, was auf Philippinisch ‘Schulter an Schulter’ bedeutet, ist symbolträchtig: In der Schlacht um die Philippinen im Zweiten Weltkrieg kämpften US-amerikanische und philippinische Einheiten gegen das Kaiserreich Japan. Die Erinnerungsorte wie der amerikanische Militärfriedhof in Manila mit 16.859 Kreuzen und eingravierten Namen mahnen an die Opfer.
Die Philippinen und Japan, beide Teil der ersten Inselkette vor China, verstärken ihre militärische Zusammenarbeit als Reaktion auf den Druck Pekings. Diese Allianz gewinnt an Bedeutung im Kontext eines möglichen Konflikts um Taiwan.
Seit Jahren unterstützt Japan Manila bei der Aufbau von Küstenwachen, inklusive Lieferung moderner Schiffe. 2024 erlaubte ein Abkommen den Einsatz von Soldaten aufeinanderem Territorium, und Tokio hob im April das Exportverbot tödlicher Waffen auf – eine Chance für die Philippinen, ihre Streitkräfte zu verstärken.
Das Manöver simuliert die Verteidigung gegen feindliche Landungen. Auch 20 Kilometer entfernt sollen Angreifer mit Himars-Raketen beschossen werden, während sich das Waffenarsenal bei Annäherung ändert: Kampfhelikopter, Drohnen und Panzerfäuste.
Die Strategie zielt auf Abschreckung ab – eine Demonstration der Stärke, um Angriffe zu verhindern. Die Botschaft ist für China klar, auch wenn philippinische Sprecher diplomatisch formulieren. Als Reaktion schickte Peking Kriegsschiffe in die Nähe des Manövergebiets.
Chinas Empörung über Japans Teilnahme – von einem Aussenamtssprecher als Versuch rechter Kreise zur Remilitarisierung verurteilt, obwohl Tokio für Manila ein entscheidender Partner ist. Die philippinische Bevölkerung sieht Japan positiv an, dank wirtschaftlicher Zusammenarbeit.
China sollte auch die eingesetzten Raketen und Marschflugkörper besorgt stimmen: Japans ‘Type 88’-System, das russisch-indische Brahmos-System der Philippinen und sogar amerikanische Tomahawk-Raketen mit einer Reichweite von über 2000 Kilometern zeigen die Verteidigungsfähigkeit in dieser strategischen Region.
Die philippinischen Verteidigungsminister besuchten das Manöver gemeinsam mit ihrem japanischen Amtskollegen, was den Schulterschluss unterstreicht. Die Raketen demonstrierten ihre Effektivität bei einem Versenkungstest eines ausgemusterten Schiffes – ein klares Zeichen militärischer Präsenz in der Nähe Chinas.