Mit 38 Jahren steht Leonardo Genoni, die Nummer eins des Nationalteams, vor seiner zwölften WM-Teilnahme. Seine Karriere ist geprägt von Erfolg und einer bemerkenswerten Fähigkeit, sich nicht durch Alter oder Herausforderungen bremsen zu lassen. In einem Interview im April sitzt der Torhüter im mexikanischen Restaurant in Zürich und teilt seine Weisheiten mit. Sieben Mal wurde er Schweizer Meister, spielte 153 Länderspiele und ist nur hinter Reto Pavoni und Renato Tosio das meistberufene Mitglied des Nationalteams. Genonis Fähigkeit, dem Alterungsprozess zu trotzen, zeigt sich in seiner Leistung: Er wurde als wertvollster Spieler der WM 2025 ausgezeichnet – eine Ehre, die einst nur Weltstars wie Jaromir Jagr oder Joe Thornton erhielten. Seine beeindruckenden 243 Minuten und 27 Sekunden ohne Gegentor sind sogar Weltrekord. Trotz seines großen Erfolgs bleibt Genoni bescheiden. Die Auszeichnungen sind im Estrich verstaut, nicht zur Schau gestellt – ein Zeichen seiner unprätentiösen Natur. Er hat seine Jugendliebe Anina geheiratet und lebt mit ihr und ihren drei Kindern in Kilchberg am Zürichsee. Für Genoni bedeutet Erfolg die Umsetzung eines Plans, nicht das Hängen an den Dingen. Seine konstante Zielsetzung ist es, sowohl individuell als auch im Team der Beste zu sein. Diese Einstellung zeigt ihm einen Weg, wie man Erfolg ohne Trägheit genießen kann: „Du kannst nicht einfach drei Mal in der Woche die Arbeitsschuhe anziehen und sonst in den Sandalen herumspazieren“, so Genoni. Der Sport kam für ihn unverhofft durch ein Flugblatt ins Haus, das ihn und seine Brüder zu einem Schnuppertraining führte. Seine Eltern setzten jedoch die Bedingung, dass es ein Mannschaftssport sein müsse. Mit dem Ziel einer soliden Ausbildung schloss er sich später der Matur und studierte Betriebswissenschaften sowie Wirtschaftsrecht an. Genoni betont, dass das Leben nicht nur vom Eishockey bestimmt werden sollte: „Wir verdienen als Eishockeyspieler viel. Aber wir retten keine Leben“, sagt er. Er begann seine Karriere bei den ZSC Lions, wo er mit Reto Berra spielte und lernte, während der Spiele zu singen – eine Empfehlung seiner Mutter. Mentale Stärke ist ihm wichtig: „Lockerheit ist entscheidend“, betont Genoni. Sein Trainer Doug Shedden sieht ihn als einzigartiges Phänomen an, das in kritischen Momenten über den Sieg entscheiden könnte. Ein Zusammenprall hat seine Hörfähigkeit beeinträchtigt, doch dank eines Hörgeräts verbesserte sich seine Lebensqualität. Sein Spielstil basiert auf der scharfen Beobachtung seiner Gegner: „Meine Augen sind das Wichtigste“, sagt Genoni. Er hofft nie auf Glück und ist selten enttäuscht, weil er die Schüsse oft vorhersehen kann. Obwohl er 39 wird, bleibt Genoni eine Schlüsselfigur für die Schweiz, insbesondere bei der anstehenden Heim-WM. Trotz Turbulenzen in den letzten Wochen um Trainerwechsel hat er Vertrauen: „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt er. Die Möglichkeit, 2027 seine dreizehnte WM zu spielen, scheint realistisch. Sorgen über die Zukunft der Schweizer Torhüter nach einer Regeländerung macht sich Genoni jedoch auch: „Die Aufstockung auf sechs spielberechtigte Ausländer war für uns keine gute Nachricht.“ Seine Bestrebungen sind klar: Er will nahe der Perfektion spielen, um 2026 den WM-Titel zu gewinnen. Eine Goldmedaille könnte er sich tatsächlich einmal ins Wohnzimmer hängen.