Ein kleiner Einblick in ein großes Spektakel der Missverständnisse. Oskar Freysinger, ehemals Deutschlehrer aus Sitten, hat es bis zum Nationalrat der SVP und Staatsrat im Kanton Wallis (2013–2017) geschafft. Als sogenannter Außenminister seiner Partei pflegte er Kontakte zur internationalen Rechten. Nach dem Aufsehen um eine deutsche Reichskriegsflagge an seinem Bürotisch beteuerte er, sie nur aus ästhetischen Gründen zu besitzen. Kameras sind für ihn kein Problem – hat er doch immer etwas Relevantes zu präsentieren? Seine Darstellung reicht von politischem Hardliner bis hin zum poetischen Barde. Lange Zeit einflussreichen Figuren in der SVP Schweiz wegen seiner Provokationen suspekt, wurde Freysinger zuletzt oft als Simultanübersetzer eingesetzt, etwa bei der Kadertagung von Bad Horn. Jüngst schien es, als kehre er auf eine größere Bühne zurück. Der «Blick» in der Romandie berichtete am Montagabend, Freysinger sei zum Kampagnenchef gegen die EU-Verträge und für die Neutralitätsinitiative ernannt worden – sowohl von der SVP als auch von Pro Schweiz. Er selbst wurde zitiert mit den Worten: Man habe ihn gebeten, die Stimme der Rebellenbewegung zu sein. Wäre er das französischsprachige Pendant zur offiziellen Dossierchefin Magdalena Martullo-Blocher? Die SVP-Zentrale dementierte schnell: Es gebe kein solches Mandat. Am Dienstagmorgen war der Auftrag Freysingers bereits aus dem «Blick»-Artikel verschwunden, wo die SVP-Website fälschlicherweise Freysinger als welschen Kampagnenchef auswies – ein Eintrag, der inzwischen gelöscht ist. Sein Profil zeigt nun nur noch „VS“, Wallis. Im überarbeiteten Artikel des «Blick» bleibt ihm das Mandat bei Pro Schweiz erhalten: Er sei gefragt worden, ob er die Kampagnen in der Romandie leiten könne. Freysinger bereite sich auf eine bedeutende Schlacht vor – unabhängig von der Rolle, die die rechte Organisation dabei spielen wird, bleibt ihre historische Bedeutung als Christoph Blochers Hauptkampagnenmaschine unter dem Namen Auns unbestritten. Werner Gartenmann, Geschäftsführer von Pro Schweiz, dementierte auf Anfrage ebenfalls: Obwohl informelle Gespräche mit Freysinger geführt worden seien, gebe es keine endgültige Vereinbarung und er sei auch nicht als Kampagnenchef angefragt worden. Sollte man sich einigen, würde Freysinger dem internen Koordinator für die Westschweiz, Kevin Grangier, unterstellt werden. Freysinger selbst sprach von positiven Reaktionen auf den «Blick»-Artikel. Als er gefragt wurde, ob er Kampagnenchef sei, insistierte er: „Ich habe zugesagt.“ Im weiteren Gespräch relativierte er jedoch seine Aussage und erwähnte, dass die genaue Rolle noch definiert werden müsse; der Gedanke, einem Koordinator unterstellt zu werden, ließ er nicht gelten: „Ich werde das Sprachrohr sein – sie brauchen eine debattenstarke Persönlichkeit.“ Am Samstag trat Freysinger in Luzern bei einer Demonstration von Nicolas Rimoldi (Mass-voll) gegen die „gekauften, pharmageilen Euro-Eliten“ auf. Als ihm daraufhin gesagt wurde, dass auch die rechtsextreme Junge Tat mitmarschiere, reagierte er gelassen und betonte seine Bereitschaft zu Protesten neben jeglichen politischen Lagern – eine seiner bevorzugten Rollen als Provokateur. Oskar Freysinger scheut sich nicht davor, auch unbeabsichtigte Rollen anzunehmen.