Die Zahlen des Mittelschulamtes verdeutlichen: Die erfolgreichsten Teilnehmer der jüngsten Gymnasial-Aufnahmeprüfungen im Kanton Zürich stammen erneut aus einer ländlichen Region, nicht von der Goldküste. “Same procedure as every year,” merkt Niklaus Schatzmann, Leiter des Zürcher Mittelschul- und Berufsbildungsamtes, an. Er betont am Dienstag telefonisch, was er bereits häufiger erwähnt hat: “Die Zürcher Gymiprüfung ist zuverlässig und liefert stabile Ergebnisse.” Ein grundlegender Umbau des Aufnahmeverfahrens würde Chaos verursachen – ein Szenario, das vermieden werden sollte. Schatzmann hält die Leistungsfähigkeit der Schüler für einfach messbar.
Die Prüfung spricht eine klare Sprache: Fürs Langgymnasium traten zu Beginn März 4772 Sechstklässler an, von denen 2517 erfolgreich waren. Dies entspricht einer Erfolgsquote von 52,7 Prozent – mehr als jeder zweite Kandidat überwand die Hürde zur Mittelschule, was einen langjährigen Trend widerspiegelt.
Die Prüfung fürs Kurzgymnasium ergab ein deutlicheres Bild. Hier schafften es dieses Jahr wiederum weniger als die Hälfte der Teilnehmer: Nur 40 Prozent der Prüflinge aus der zweiten Sekundarklasse und etwas mehr – 47 Prozent – in der dritten Klasse, kamen weiter.
Die Unterschiede zwischen den beiden Wegen zum gymnasialen Abschluss im Kanton Zürich sind weniger auf die Prüfungen selbst zurückzuführen. Es ist wahrscheinlicher, dass die Gruppe potenzieller Gymnasiasten in Sekundarschulen kleiner ist als jene in der Primarschule.
Insgesamt stieg die Zahl der Prüflinge: 8908 Kinder und Jugendliche traten zur Aufnahmeprüfung für ein Zürcher Gymnasium an, was einen Anstieg gegenüber den Vorjahren darstellt. Allerdings ist dies weniger auf einen vermehrten “Run aufs Gymnasium” zurückzuführen als vielmehr auf das Bevölkerungswachstum im Kanton.
Regionale Vergleiche zeigen ein ähnliches Bild wie im letzten Jahr: Im Knonauer Amt erreichten 58,5 Prozent der Prüflinge fürs Langgymnasium den Erfolg. Auf der Goldküste im Bezirk Meilen schafften es 56,6 Prozent.
Niklaus Schatzmann vermutet, dass Kinder hinter dem Albis anders aufwachsen: “Für manche Eltern bricht eine Welt zusammen, wenn das Kind die Gymiprüfung nicht besteht. Das ist problematisch.” In Bezirken wie Affoltern sei man pragmatischer.
Gegen die Vorstellung, ein Gymnasiumsplatz sei hauptsächlich eine Frage des Geldes, wehrt sich Schatzmann: “Dieses Bild unterstützt vor allem das Narrativ privater Kursanbieter.” Doch Sozialisation, Interessen und Förderung spielen bei der Prüfung sicherlich auch eine Rolle.
In vielen Fällen kämpfen Kinder im Kanton mit ungleichen Voraussetzungen. Schatzmann schlägt vor, stattdessen auf Portfolios und individuelle Beurteilungen zu setzen – dies sei bereits in den Vornoten enthalten.
Die Idee eines staatlich zertifizierten KI-Tutors für jene Schüler, die nicht von ihren Eltern unterstützt werden können, findet er interessant. Aber das ist Zukunftsmusik.
Zudem betont Schatzmann, dass viele Jugendliche ohne Gymnasium glücklich sind: Die Begabtenförderung in der Berufsbildung sei erfolgreich – 18 Prozent machen eine Berufsmatur und öffnen sich weitere Bildungswege nach der Lehre.