Emmanuel Macron setzt sich für eine erneuerte Beziehung zu Afrika ein, wie zuletzt beim Gipfeltreffen in Nairobi deutlich wurde. Dieses Treffen offenbart jedoch vor allem den veränderten Ansatz Frankreichs: Es agiert nicht mehr aus der Position der Stärke, sondern aus Notwendigkeit heraus.
Emmanuel Macron hat es sich auf Auslandsreisen zur Gewohnheit gemacht, Auftritte zu produzieren, die viral gehen. Im vergangenen Jahr wurde ein Auftritt in Davos mit einer gespiegelten Sonnenbrille millionenfach geteilt; in Armenien sang er beim Staatsbankett ein Lied von Charles Aznavour. In Nairobi zurechtgewiesen hat Macron kürzlich ein störendes Publikum auf dem «Africa Forward»-Gipfel mit einem lauten «Hey, hey, hey». Dieser Moment ist bereits in den sozialen Netzwerken als Remix zu sehen.
Trotz der viralen Momente sind politische Erfolge nicht garantiert. Fast unbeachtet blieb Macrons bedeutender Schritt in Kenia: Er leitete gemeinsam mit Präsident William Ruto den ersten Afrika-Frankreich-Gipfel außerhalb der französischen Einflusssphäre, nämlich im anglofonen Land Kenya.
Dieser Gipfel symbolisiert die dramatische Minderung des französischen Einflusses in Westafrika. Insbesondere in der Sahelzone erlebte Frankreich Rückschläge: Mali, Burkina Faso und Niger vertrieben französische Truppen. Militärjuntas nutzten russische Unterstützung, um antifranzösische Gefühle zu schüren, womit Frankreich zum Symbol neokolonialer Arroganz wurde.
Macron hatte bereits 2017 versprochen, sich von der traditionellen «Françafrique» zu distanzieren – einem Netzwerk aus Einfluss und dubiosen Absprachen. In Ouagadougou kündigte er damals eine Neuerung an und wollte brisante Themen wie die CFA-Franc-Währung, Militärbasen und die Rückgabe kolonialer Kunst entschärfen.
Doch viele Reformversprechen blieben unvollständig oder verspätet. Die Schließung der Militärbasen erfolgte erst unter Druck; beim CFA-Franc zog sich Frankreich zwar aus Kontrollgremien zurück, doch die Währung bleibt an den Euro gekoppelt und wird weiterhin von Paris garantiert.
Mit der neuen Ausrichtung Richtung Ostafrika versucht Macron nun neue Märkte zu erschließen. Der Name des Gipfels «Africa Forward» spiegelt diese Veränderung wider: Statt Einfluss abzusichern, stehen heute Investitionen und Wirtschaftsprojekte im Mittelpunkt.
Der Wettbewerb ist jedoch intensiv: China ist bereits in vielen afrikanischen Ländern der führende Partner. Chinesische Firmen bauen Infrastruktur in Kenya auf. Indien, die Türkei und die Golfstaaten sind ebenfalls aktiv. Macron tritt daher spät zu einer Zeit ein, als andere Mächte bereits Fakten geschaffen haben.
Der Wandel, den Macron als Neuanfang verkauft, ist primär eine Anpassung an neue globale Machtverhältnisse. Die alte «Françafrique» bricht nicht aus Einsicht zusammen, sondern weil viele Staaten sie ablehnen und andere Länder Alternativen bieten. Dies bedeutet jedoch nicht den vollständigen Verlust der französischen Bedeutung in Afrika. Im Gegenteil: In einer Welt, in der China, Russland oder die USA ihre Interessen rücksichtslos verfolgen, könnte Paris als zuverlässiger Partner gelten. Sein ehemaliger Sonderstatus in Afrika ist jedoch vorbei.