Dieses Jahr ist die Gotthardpassstrasse so früh wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr befahrbar. Dieser Umstand erfreut nicht nur Passfahrtenthusiasten, sondern auch jene, die über Feiertage in den Süden aufbrechen möchten. Laut Iwan Santoro von SRF erklärt sich der Effekt auf den Stau an diesem Grenzübergang folgendermaßen.
Santoro ist seit 2013 bei Radio SRF und berichtet seit 2024 als Korrespondent aus dem Tessin. Seine Einschätzung: Viele entscheiden sich für die Route über den Pass, wenn der Tunnel vor Stau steht. Eine Faustregel besagt, dass ab einem Stau von etwa vier Kilometern – was ungefähr einer halben Stunde entspricht – die Fahrt über den Gotthardpass die bessere Wahl ist. Diese dauert rund 30 Minuten länger als der Tunnel bei freier Fahrt. Nicht alle begrüßen jedoch diese Öffnung: Anwohner entlang der A2, in der Leventina und im Urnerland leiden unter dem Ausweichverkehr, der sich zuletzt verstärkt hat. Früher verließen Fahrer die Autobahn, durchquerten Dörfer und fuhren wieder auf die Autobahn ein, kurz bevor es zum Tunnel geht. Deshalb wurde eine neue Strategie eingeführt: Eine etwa 3 Kilometer lange Ausfahrtspur ermöglicht Passnutzern, an der Staukolonne vorbei zu kommen, jedoch nicht zurück zur Autobahn.
Ein Ganzjahresbetrieb des Gotthards wäre kostenintensiv. In den letzten zehn bis zwölf Jahren hat sich der Stau vervierfacht; Ostern sorgen oft für über 20 Kilometer lange Staus. Der Bundesrat ist skeptisch gegenüber einem ganzjährigen Betrieb, da er immense Kosten mit sich brächte: die Passstrasse müsste schneefrei und räumt werden sowie Investitionen von etwa 300 Millionen Franken in zusätzliche Galerien und Tunnel erforderlich wären. Da der Gotthard auf 2106 Metern liegt, hält der Bundesrat solche Ausbauten für unverhältnismäßig. Pro Alps argumentieren zudem, dass ein dauerhafter Betrieb verfassungswidrig sei.
Das Ziel ist es, den Pass vor Auffahrt zu öffnen, spätestens jedoch bis Pfingsten. Während Pfingsttage meist gut passen, kann dies bei Aschermittwoch schwanken. Der Pass bleibt typischerweise von Ende Mai bis Ende Oktober offen.
Dank weniger Schneefall konnte man die Räumungsarbeiten schneller als geplant durchführen. Dieses Jahr wird der Pass bereits Anfang Mai freigegeben, eine Woche früher als im Vorjahr und drei Wochen vor dem Vor-Vorjahr 2024. Eine frühere Öffnung gab es zuletzt 2011 am 30. April.
SRF 4 News, 8.5.2026, 7:40 Uhr; srf/lin;herb