Laut dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump wurde ein geplanter Militärangriff auf den Iran abgebrochen. Die Verhandlungen mit Teheran über dessen Nuklearprogramm sollen laut Trump «ernsthaft» geführt werden, während der Iran gleichzeitig seine Kontrolle über die strategisch wichtige Strasse von Hormuz auszubauen versucht. Am späten Montagabend verkündete Trump auf seinem Netzwerk Truth Social den Aufschub des geplanten Angriffs für Dienstag, nachdem ihn die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudiarabien darum gebeten hatten.
In Iran bereitete man sich indes offensichtlich auf einen neuen Konflikt vor, wie iranische Staatsmedien zeigten. Nachrichtenmoderatoren präsentierten sich mit Sturmgewehren im Fernsehen und sprachen von Widerstandsfähigkeit gegenüber möglichen Angriffen durch die USA oder Israel. Ein Sender zeigte einen Moderator, der eine Kalaschnikow abfeuerte.
Iran sandte am Montag ein überarbeitetes 14-Punkte-Dokument an Pakistan, nachdem Trump den ersten Entwurf als «unannehmbar» bezeichnet hatte. Laut Berichten ist Teheran nun bereit, Zugeständnisse im Nukleardossier zu machen und etwa 400 Kilogramm hoch angereichertes Uran abzugeben, das nach Russland transportiert werden soll. Trump forderte jedoch, dass dieses Material den USA übergeben wird. Washington zeigt sich laut Reuters offen für die schrittweise Freigabe von 25 Prozent der in den USA eingefrorenen iranischen Vermögenswerte und will Sanktionen lockern.
Iran beharrt darauf, sein Recht auf Urananreicherung nicht aufzugeben. Die USA fordern ein Moratorium für Anreicherungsaktivitäten über zwei Jahrzehnte hinweg. Ein weiteres Streitthema ist die Abfolge von Verhandlungen: Iran verlangt zunächst einen Friedensschluss in der gesamten Region, inklusive eines Stopps israelischer Aktivitäten im Libanon, bevor es ein Nuklearabkommen bespricht. Die USA wollen laut der «Washington Post» zuerst nukleare Zugeständnisse sehen.
Beobachter glauben, dass Druck von den Golfstaaten Trumps Entscheidung beeinflusste, nicht weniger durch Irans Verhandlungsbereitschaft. Im Falle weiterer Angriffe könnten Iranische Vergeltungsaktionen gegen die Energieinfrastruktur in den Petrostaaten drohen.
Unklar bleibt, wie eine freie Schifffahrt durch die Strasse von Hormuz sichergestellt werden kann. Der Iran hat schon seit Wochen Tanker und Frachtschiffe blockiert und verlangte hohe Zahlungen für Transitgenehmigungen. Ein neuer Mechanismus zur Eintreibung solcher Gebühren soll etabliert werden. Am Montag kündigte der iranische Sicherheitsrat an, dass eine Behörde für die Meerenge des Persischen Golfes eingerichtet wird, um Nachrichten zu übermitteln und Transitzölle einzuziehen.
Die iranische Regierung will zudem Versicherungen für Schiffe anbieten, die in der Zukunft den Wasserweg passieren. Die Prämien sollen in Bitcoin gezahlt werden. Ebrahim Azizi auf X betonte, dass nur kooperierende Handelsschiffe diese Vorteile nutzen könnten; alle anderen müssten alternative Routen benutzen. In Teheran wurden Plakate mit Trump kniend und Geldbündeln gezeigt – die Behauptung: Iran könnte 100 Milliarden Dollar im Jahr durch Transitgebühren verdienen.
Die USA, Golfstaaten und Europa sind besorgt über eine iranische Kontrolle des Wasserwegs, der für den Transport von 20 Prozent aller weltweiten Öl- und Gasexporte genutzt wird. Ein solcher Schritt könnte die Isolation Irans verstärken. Doch es gibt Anzeichen dafür, dass im Regime Überlegungen zu einem Alternativwirtschaftsmodell durch maritime Schutzgelder aufkommen.