Washington möchte, dass die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) im Konflikt mit dem Iran eine aktivere Rolle übernehmen. Wie realistisch ist der Einsatz von Bodentruppen aus den VAE? Seit Ausbruch des Iran-Konflikts wurden die Emirate häufiger und intensiver als andere Golfstaaten angegriffen, insbesondere durch Raketen und Drohnen. Der jüngste Angriff auf das Atomkraftwerk Barakah nahe Abu Dhabi wurde vom ägyptischen Aussenministerium als gefährliche Eskalation bezeichnet. Die Antwort der VAE blieb bislang moderat, was für Donald Trump und seine Berater zu wenig ist.
Laut einem Bericht des britischen “Telegraph” haben US-Vertreter die Emirate aufgefordert, aktiv am Krieg gegen Iran teilzunehmen, einschließlich der Besetzung einer strategisch wichtigen Insel im Persischen Golf. Die Insel Lavan könnte als Ziel vorgeschlagen worden sein, über deren Bombardierung durch die VAE Mitte April seit vergangener Woche berichtet wird.
Obwohl das militärische Potential der emiratischen Armee mit ihren rund 65.000 Soldaten im Nahen Osten vergleichsweise gering ist, gelten ihre Luftwaffe und Spezialkräfte als besonders effektiv. Die iranischen Streitkräfte sind jedoch zehnmal größer. Islamwissenschaftler Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin vermutet, dass eine direkte Beteiligung der VAE an einem Krieg nur im Verbund mit den USA möglich wäre.
Trotz der Diskussionen über Bodentruppen durch Donald Trump sind die Risiken eines solchen Engagements erheblich. Das iranische Territorium ist fast viermal so groß wie der Irak, doppelt so bevölkerungsreich und militärisch auf asymmetrische Kriegsführung vorbereitet. Die Emirate könnten durch den anhaltenden Druck nun motiviert sein, sich stärker zu verteidigen. Ihre Spezialkräfte haben bereits in der internationalen Koalition gegen die Huthi im Jemen Erfahrung gesammelt.
Der Rückzug emiratischer Truppen aus dem Jemen und deren Fokus auf lokale Milizen zeigt eine neue Strategie. Die Beziehungen zu den USA und Israel intensivieren sich hingegen, während der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman eine Annäherung an Israel vermeidet.
Mit den Abraham-Abkommen von 2020 hat Abu Dhabi die diplomatischen Weichen in Richtung Israel gestellt. Der Gedanke einer offenen Beteiligung am Krieg gegen Iran könnte für die Emirate sinnvoll sein, um ihre Wirtschaft und regionale Stabilität zu sichern. Allerdings steht eine offizielle Antwort aus den VAE auf das amerikanische Ansinnen noch aus.