In ganz Europa sind derzeit zahlreiche Rechenzentren im Bau. Regierungen und Wirtschaftsführer in Städten wie Bern, Brüssel oder Berlin bereiten sich auf das Zeitalter der künstlichen Intelligenz vor, um nicht dauerhaft hinter die USA und China zurückzufallen. Für die KI-Wirtschaft benötigt es jedoch mehr als nur Software – eine Infrastruktur aus Stahl und Beton ist erforderlich: riesige Hallen voller Computer, Energiequellen und Fabriken für KI-Chips sowie Milliarden an Investitionen.
In einer Serie erläutern wir, wie die EU plant, ihre Rechenkapazitäten zu steigern, warum dies wichtig ist und welche Hindernisse bestehen. Um künstliche Intelligenz im großen Stil nutzen zu können, müssen die materiellen Voraussetzungen geschaffen werden. “KI verwandelt Rohstoffe in eine große Menge an Intelligenz”, so Jensen Huang, CEO von Nvidia, in einem Blog. Dies erfordert den Aufbau einer massiven Infrastruktur – ein Ziel, das auch in politischen Kreisen Europas Anklang findet.
Rechenzentren gelten als entscheidend für zukünftige politische und wirtschaftliche Macht. Laut einer Studie von Epoch AI verfügt die EU derzeit nur über etwa 5 % der weltweiten Rechenleistung, während die USA fast 75 % und China 15 % halten. Die EU will ihre Kapazitäten bis Anfang der 2030er Jahre mindestens verdreifachen, wobei sie den Ausbau mit Klimazielen verknüpfen möchte. Brüssel verspricht effiziente Rechenzentren, die saubere Energie nutzen und sowohl Stromnetze als auch Wasserressourcen nicht überlasten.
KI soll Wachstum fördern, neue Arbeitsplätze schaffen und die technologische Abhängigkeit Europas verringern – so das Versprechen der EU. Analysten von McKinsey berichten jedoch, dass ein massiver Infrastrukturausbau im Gange ist, mit weltweiten Ausgaben für Rechenzentren, die bis 2030 auf bis zu 7 Billionen Dollar ansteigen könnten.
KI-Rechenzentren benötigen viel Strom und Kühlung. Ein Beispiel sind die geplanten Anlagen von Open AI in Texas, deren Bau und IT-Ausstattung laut Epoch AI 32 Milliarden Dollar kosten werden. Der Mangel an Infrastruktur zeigt sich darin, dass Europa im Vergleich zu den USA und China zurückgefallen ist.
Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) wuchs die Kapazität von Rechenzentren in der EU langsamer als der weltweite Durchschnitt. Doch es werden immer mehr Projekte lanciert, die installierte Kapazität Europas wird sich mehr als verdoppeln, wenn alle geplanten Anlagen gebaut werden.
Rechenzentren entstehen zunehmend in abgelegenen Regionen und verursachen Widerstand aufgrund ihres hohen Wasser- und Stromverbrauchs. Die EU plant dennoch eine Verdopplung der Kapazität, ohne die Zahl der Gebäude zu vervielfachen.
Rechenzentren waren früher auf wenige europäische Ballungszentren konzentriert, doch nun werden sie in ganz Europa errichtet. Neue Standorte sind oft abgelegen und verbrauchen viel Strom, was den Ausbau von Infrastruktur erfordert. Der Stromverbrauch von Rechenzentren wird bis 2035 auf voraussichtlich 236 TWh steigen.
Rechenzentren stehen zunehmend vor Herausforderungen bei der Anbindung ans Netz und beim Zugang zu Stromquellen, was den Ausbau bremst. Die Branche hofft, dass die Energiewende letztlich zu einem beschleunigten Netzausbau führt.
Betreiber suchen bereits nach neuen Standorten in Europa, während Widerstand gegen den Energie- und Wasserverbrauch wächst. In mehreren Ländern formiert sich Opposition aufgrund der Umweltauswirkungen und steigender Strompreise. Trotzdem bereiten sich Entscheidungsträger darauf vor, neue Gebäude und Infrastruktur für die KI-Visionen zu schaffen.