An einem Samstagnachmittag in einem alten Hangar des Flugplatzes Dübendorf werkeln ETH-Studenten an einem humanoiden Roboter. Diese aus Metall, Kunststoff und Kabeln bestehende Maschine wird gerade mit ihrem zweiten Bein ausgestattet. Unter der Leitung von Gabriele Dutli, einem Maschinenbaustudenten im vierten Semester, entwickeln die Studenten einen kräftigen Roboter für schwere Arbeiten wie das Lagern von unhandlichen und schweren Gegenständen in Warenlagern.
Diese Entwicklung zeigt nicht nur die Ambition der Studierenden, sondern auch eine Goldgräberstimmung in der Industrie: Unternehmen investieren massiv in autonome Maschinen, um ihnen alltägliche Aufgaben wie das Abwischen von Tischen oder das Zusammenfalten von Wäsche zu übertragen. Die Fragen nach den realistischen Versprechen dieser Technologien und deren Auswirkungen auf die menschliche Arbeitskraft drängen sich auf.
Ein entscheidender Faktor für diesen Hype ist die künstliche Intelligenz, insbesondere das maschinelle Lernen. Vor wenigen Jahren machte eine spezielle Methode des Reinforcement-Learning die Robotik revolutionär: Roboter können nun selbstständig lernen, wie sie sich bewegen. Dies geschieht durch Simulationen in einer virtuellen Welt, in der jeder Aspekt des Roboters nachgebildet wird.
Diese Methodik ermöglichte es etwa Anybotics, einen vierbeinigen Roboter zu entwickeln, der autonom patrouillieren kann, und Sony, ein Tischtennis-Spiel gegen einen Profisportler zu gewinnen. Darüber hinaus nutzen KI-Chatbots die Weltkenntnisse aus Texten, um Roboter in ihrer Umgebung handlungsfähig zu machen.
Dennoch bestehen erhebliche Hürden bei der Entwicklung nützlicher Allzweckroboter: Die Handhabung von Gegenständen bleibt problematisch. Viele Roboter haben Schwierigkeiten, glatte oder rutschige Objekte sicher zu greifen, da ihnen die notwendigen Sensoren fehlen. Auch das Manipulieren von Papier stellt eine Herausforderung dar. Während einige Fortschritte gemacht wurden – wie ein robuster Roboterarm des US-Startups Eka – arbeiten diese Maschinen noch in strukturierten Umgebungen.
Das Vorankommen der Robotik zeigt sich auch im Ansatz von Benjie Holson, einem Ingenieur, der einen Wettbewerb für humanoide Roboter ins Leben gerufen hat. Hierbei versagen die meisten Maschinen bei Aufgaben wie dem Aufhängen eines Hemds oder dem Schälen einer Orange.
Trotz dieser Herausforderungen sind viele Unternehmen überzeugt von der Zukunft der Robotik und arbeiten daran, humanoide Roboter weiterzuentwickeln. Während die Massenfertigung bereits begonnen hat – wie bei der Firma 1X mit ihrem Roboter Neo – bleibt die Zuverlässigkeit ohne menschliche Steuerung noch aus.
Experten sind sich uneinig über die sozialen Auswirkungen dieser technologischen Fortschritte. Während Optimisten in Robotern eine Lösung für den Arbeitskräftemangel sehen, warnen Skeptiker vor der Gefahr von Massenarbeitslosigkeit. Die Gestaltung des Wandels wird entscheidend sein, um die Zukunft mit Robotik positiv zu gestalten.