Nach der Einführung der neuen Modelle spekulieren Käufer darauf, diese zu deutlich höheren Preisen weiterzuverkaufen. Uhren eignen sich als Geldanlage – allerdings nicht alle. Wie man die richtigen auswählt.
Im Swatch-Geschäft an der Zürcher Bahnhofstrasse herrscht am frühen Dienstagnachmittag reger Betrieb. Die acht Modelle der «Royal Pop»-Taschenuhren, präsentiert von Swatch und Audemars Piguet seit Samstag, locken viele Interessierte an. Zwei Frauen machen ein Selfie vor dem Schaufenster.
«Welche würden Sie wählen?», fragt einer der beiden Jugendlichen, die sich mit den unterschiedlichen Farben beschäftigen. Für 350 Franken pro Stück erhältlich, werden sie auf Plattformen wie Ebay oder Chrono24 bereits zu Preisen von 800 bis über 2000 Franken angeboten.
Ob diese Preise realistisch sind, bleibt fraglich. Die Hoffnung auf schnelle Gewinne ist jedoch groß. Planen die Jugendlichen den Kauf und Weiterverkauf der «Royal Pop»-Uhren? Einer bejaht dies.
Allerdings finden sie in dem Laden keine Exemplare vor. Nach Auskunft einer Verkäuferin waren die erhaltenen Modelle schnell ausverkauft: «Viel mehr Kunden als Uhren», so ihre Worte. Der Zeitpunkt der nächsten Lieferung ist unbekannt.
Laut AFP kam es bei der Markteinführung zu Problemen in etwa 20 von weltweit 220 Geschäften. Längere Schlangen, Tumulte und Polizeieinsätze wurden insbesondere in Frankreich, Italien, Großbritannien, Thailand und den USA gemeldet.
Swatch erzeugt laut Wulf Schuetz, Gründer von Rare and Fine Vintage Watches in Zürich, geschickt Hype. Dies gelang bereits mit der «Moonswatch» 2022. Bei Audemars Piguet ist die Situation jedoch anders: Als Premiummarke öffne sie sich nun breiteren Zielgruppen. «Ein schmaler Grat», sagt Schuetz. Eine Gefahr bestehe darin, dass zu viele Uhren auf den Markt kämen und der Wert sinkt.
Tom Beitschall von Chrono24 betont, dass Hype-Momente oft mit Marken mit großer kultureller Strahlkraft einhergehen, bei denen das Angebot knapp ist. Swatch dominiert hier insbesondere durch Kollaborationen wie die «Moonswatch» und nun die «Royal Pop». Rolex bewegt sich auf dem Sekundärmarkt anders: Modelländerungen oder Referenzanpassungen führen unmittelbar zu Preisbewegungen.
Langfristige Hypes sind bei klassischen Sammlermarken wie Patek Philippe weniger ausgeprägt, so Beitschall. Auf Plattformen ist seit dem Start der «Royal Pop» eine hohe Aktivität feststellbar – viele versuchen hier, durch Wiederverkauf Gewinne zu erzielen. Doch der größte Teil der Transaktionen bleibt von solchen Hypes unberührt.
Schuetz meint, dass die Uhrenhersteller ebenfalls vom Sekundärmarkt profitieren: «Der Hype beflügelt den Primärmarkt», sagt er. Digitalisierung spiele dabei eine Schlüsselrolle, indem sie Transparenz schafft und weltweiten Handel ermöglicht.
Mit der Zunahme von «Flippern» – Akteuren, die ständig Uhren kaufen und verkaufen – hat die Bedeutung solcher Hypes zugenommen. Schuetz vergleicht sie mit Daytradern.
In Zeiten von Notenbankgeldschwemme, geopolitischen Unsicherheiten und steigender Inflation gewinnen Uhren als Sachanlagen an Wert. Im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen bieten Uhren keine laufenden Erträge, sind jedoch leicht transportierbar.
Uhrenexperten empfehlen bei der Geldanlage auf stabile Nachfrage und hohe Liquidität zu achten. Modelle von Rolex, Patek Philippe oder Audemars Piguet seien besonders liquide. Besonders Sportmodelle aus Edelstahl sind hier empfohlen.
Zustand und Dokumentation sind wichtig: Uhren sollten gut gepflegt werden, um ihren Wert zu halten. Wer eine Uhr trägt, sollte sie regelmäßig warten lassen und die Servicehistorie dokumentieren.
Schuetz rät trotz der Investitionsmöglichkeit, sich für das gewählte Modell zu begeistern: «Man hat immer noch ein schönes Objekt am Handgelenk.»