Das Trend-Tattoo der 2000er-Jahre, das sogenannte Arschgeweih, erlebt ein Comeback. Während es sich viele Frauen mittleren Alters entfernen lassen, entscheiden sich junge Menschen aus der Generation Z dafür, sich tätowieren zu lassen. Tätowiererin Jenny Vogts erklärt gegenüber Nau.ch: «Bei den jungen Mädels ist das Arschgeweih wieder voll im Trend.» Obwohl ältere Frauen bereits in der Vergangenheit junge Leute vor möglichen Reuegefühten warnten, hat sich die Diskussion nun auf gesundheitliche Risiken verlagert.
Karen Heinrichs, eine deutsche Radio- und TV-Moderatorin, schildert ihre persönliche Erfahrung: Während ihrer Schwangerschaft wurde ihr bei der Anästhesistin klar, dass das Tätowieren des Steissbeins ein ernstes Problem darstellen könnte. Die Farbe des Tattoos könne potenziell ins Rückenmark gelangen und eine geburtshilfliche Periduralanästhesie (PDA) riskant machen.
Heinrichs erinnert sich: «Die Anästhesistin sagte, es sei zu gefährlich, durch das Tattoo hindurchzustechen.» Diese Erfahrung teilt sie auf Instagram und warnt junge Frauen davor, sich Tattoos am unteren Rücken stechen zu lassen.
Das Thema gewinnt an Aufmerksamkeit: Zahlreiche Videos und Posts thematisieren die PDA im Kontext von Steissbein- oder Rückentattoos. In der Schweiz sind 20 Prozent der Bevölkerung tätowiert, bei den Jungen sogar 50 Prozent.
Thierry Girard, Chefarzt am Universitätsspital Basel und stellvertretender Leiter der Anästhesiologie, bestätigt gegenüber Nau.ch die Vorsichtsmaßnahme: «Wir vermeiden es, wenn möglich, durch ein Tattoo hindurch zu stechen.» Das Risiko sei vor allem bei frischen Tattoos gegeben.
Obwohl das Risiko gering eingestuft wird, gibt es Anästhesisten, die lieber auf die PDA verzichten, wenn ein Rückentattoo vorhanden ist. Girard betont jedoch: «In der Praxis haben wir damit kein Problem und gehen oft eine andere Einstichstelle ohne Farbe am Rücken ein.»
Die Schwere von Geburtsschmerzen variiert individuell stark, wobei die PDA als effektivste Schmerzlinderungsmethode gilt. Obwohl es Fälle gibt, in denen eine PDA aufgrund eines Tattoos nicht möglich ist, sind solche Situationen selten.
Nicht nur Schwangere könnten betroffen sein: Auch bei Sportverletzungen kann eine PDA eingesetzt werden, um Schmerzen nach Operationen zu lindern. Sportmediziner Marcus Mumme von der Klinik Hirslanden erklärt: «In seltenen Fällen gibt es Alternativen wie intravenöse Medikamente oder regionale Anästhesien.»
Zusammengefasst bedeutet dies, dass ein Rückentattoo in Einzelfällen Probleme bereiten kann – allerdings besteht kein Grund zur Panik.