Die britische Monarchie steht seit Langem im Zentrum von Debatten zwischen Befürwortern, die darin den Garanten für Stabilität sehen, und Kritikern, die in ihr eine Quelle der Privilegienverherrlichung erkennen. Der jüngste Skandal um Andrew Mountbatten-Windsor hat diese Diskussionen neu belebt. Als der Bruder von König Charles III. verkörpert er negative Klischees: als exzentrisch und verschwenderisch bekannt, soll er Staatsgelder in Bordellen verprasst und Geheimnisse gegen Gefälligkeiten verraten haben. Solche Fragen nach der Rechtfertigung öffentlicher Finanzierung eines solchen Lebens sind nicht neu, da die Royals historisch gesehen mit Skandalen behaftet waren – von Prinz Harrys Abgang bis zu König Heinrich VIII.s turbulentem Privatleben. Der Ruf des Königshauses leidet zwar unter dem Andrew-Skandal, doch eine Abschaffung scheint unwahrscheinlich. Umfragen zeigen einen allmählichen Rückgang der Beliebtheit der Monarchie über Jahrzehnte hinweg, bedingt weniger durch einzelne Skandale als durch tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen. Für viele ältere Briten war Queen Elizabeth II. ein integraler Bestandteil ihrer kollektiven Identität. Solch eine emotionale Bindung besteht bei den Jüngeren nicht in Bezug auf König Charles III., insbesondere da über 40 Prozent der Londoner aus dem Ausland stammen und oft weniger Loyalität zur Monarchie empfinden. Für viele Einwanderer, besonders solche aus ehemaligen Kolonien, symbolisiert das Königshaus Fremdherrschaft. Kehinde Andrews, Professor für Black Studies, entfachte nach dem Tod von Elizabeth II. Diskussionen, als er in seinem Artikel «Ich trauere nicht um die Queen» das Königshaus mit White Supremacy assoziierte und es als institutionalisierten Rassismus bezeichnete. Ein weiteres Thema unter Antiroyalisten ist der Verdacht, dass die Monarchie zur Aufrechterhaltung einer ausgeprägten Klassengesellschaft beiträgt, was demokratischen Prinzipien zuwiderläuft. Obwohl das House of Lords kürzlich von erblichen Mitgliedern bereinigt wurde, bleibt es ein umstrittenes Symbol aristokratischer Tradition. Craig Prescott, Jurist und Autor, sieht in der Monarchie eine wandlungsfähige Institution, die Stabilität bietet, indem sie den politischen Parteien einen gemeinsamen nationalen Rahmen gibt. Doch warum benötigt das Vereinigte Königreich diese überparteiliche Klammer? Laut Prescott liegt dies daran, dass es keine formelle Verfassung hat, um dieses Fundament zu bilden. Die Monarchie verkörpert den Zusammenhalt, der sonst durch ein Dokument gesichert wäre. Andere sehen in ihr eine infantilisierende «Infantilisierungsmaschine». Kritiker wie Will Self und Suzanne Moore argumentieren, dass die Royals lediglich ein Ablenkungsspielzeug für das Volk darstellen. Die jüngste Generation scheint zunehmend desinteressiert zu sein, was auf einen möglichen Verfall der Monarchie hindeutet. Doch obwohl Desinteresse ihr größter Feind ist, wird sie wahrscheinlich eher verblassen als abgeschafft werden.