Nach einem Drohnenangriff auf einen britischen Militärstützpunkt hat sich die Stimmung zwischen Grossbritannien und Zypern verschärft. Nikosia kritisiert, London nehme nicht genügend Rücksicht auf die Sicherheit der Insel. Anstatt Postkartenidylle zu präsentieren, zieht eine Flotte von Kriegsschiffen italienischer, spanischer, niederländischer, britischer und französischer Herkunft durch das östliche Mittelmeer. Sie schützen Zypern nach dem iranischen Drohnenangriff auf den RAF Akrotiri nahe Limassol. Diese Drohne vom Typ Shahed wurde laut Nikosia von der proiranischen Hizbullah-Miliz aus Libanon gestartet. Die Insel liegt rund 260 Kilometer von Beirut entfernt. Der Angriff verursachte minimalen Sachschaden und keine Verletzten, zwei weitere Drohnen konnten abgewehrt werden. Europa steht nun vor der Herausforderung eines drohenden Kriegseintritts auf europäischen Boden. “Wer Zypern angreift, greift auch Europa an”, betonte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. In Nikosia steigt die Angst vor weiteren Angriffen. Obwohl der Drohnenangriff die britische Basis RAF Akrotiri traf, befürchtet Zypern nun Gefahren für sein Staatsgebiet und seine Bevölkerung sowie Zerstörungen ziviler Einrichtungen. Grossbritannien unterhält eine weitere Militärbasis im Osten der Insel. Als Mitglied der Europäischen Union, das aktuell die EU-Ratspräsidentschaft innehat, ist Zypern besonders besorgt um den Tourismus. Die britische Regierung hat Spannungen mit Zypern durch ihre Reaktion auf den Angriff und vorherige Entscheidungen verschärft. Premierminister Keir Starmer hatte den USA erlaubt, die Basen zur Abwehr von iranischen Raketen zu nutzen, was Nikosia als nicht ausreichend transparent empfand. Starmer wies darauf hin, dass der Angriff unabhängig von seiner Ankündigung stattgefunden habe. Er versicherte dem zypriotischen Präsidenten Nikos Christodoulides, die USA dürften RAF Akrotiri nicht nutzen. Die britische Vorgehensweise nach dem Angriff löste Kritik aus. Zypern warf London vor, die Bevölkerung in der Nähe der Basis nicht rechtzeitig zu warnen und keine offiziellen Instruktionen für die lokale Zivilbevölkerung zu geben. “Die Menschen sind enttäuscht und verängstigt”, erklärte der zypriotische Botschafter in Grossbritannien. Weiterer Kritikpunkt war die verspätete britische militärische Reaktion, da HMS «Dragon» erst eine Woche nach dem Angriff einsatzbereit war. Derweil hat Zypern seine Unabhängigkeitsvereinbarung von 1960 mit Grossbritannien als Grundlage für Sicherheitsgarantien. Die Debatte um die britischen Basen intensivierte sich. Präsident Christodoulides bezeichnete sie als Relikte der Kolonialzeit und fordert eine Diskussion über ihre Zukunft. Trotz Kritik an der britischen Präsenz will Zypern laut «The Telegraph» die Sicherheitsvereinbarungen neu verhandeln, ohne deren Existenz in Frage zu stellen. Die Türkei beobachtet die Aufrüstung besorgt. Griechenlands Entsendung von Kriegsgerät weckte Argwohn in Ankara, das daraufhin Kampfjets und Verteidigungssysteme nach Nordzypern verlegte. Zypern warnt vor einer destabilisierenden Militarisierung der Insel. Die Türkei könnte befürchten, Griechenland nutze die Lage zur Ausweitung seiner militärischen Präsenz, was türkische Interessen gefährden würde. Beide Nato-Länder streiten um Rechte im östlichen Mittelmeer.