Im deutschen Nationalteam des Skibergsteigens brodelt es seit fast zwei Jahren. Ausgelöst wurde die Unstimmigkeit durch einen medizinischen Leistungstest, bei dem angeblich Hygienestandards vernachlässigt wurden. Whistleblower-Athleten dürfen vorläufig nicht an internationalen Wettkämpfen teilnehmen.
Im Zentrum steht ein Vorfall aus 2024, als bei einem Test auf Mängel im Umgang mit Blut hingewiesen wurde. Ein Sportler berichtete zudem von Verletzungen nach weiteren Tests und musste daraufhin mehrere Wochen pausieren. Nach Anzeigen gegen zwei Funktionäre ermittelt nun die Staatsanwaltschaft wegen gefährlicher Körperverletzung, Beihilfe dazu, Nötigung sowie fahrlässiger Körperverletzung.
Die Athleten Sophia Wessling und Felix Gramelsberger haben ihre Erlebnisse öffentlich gemacht. In einem Bericht der ARD-«Sportschau» kritisierten sie den Verband für schwere Missstände, darunter das mehrfache Blutabnehmen innerhalb kurzer Zeit durch ungeschultes Personal ohne Hygienemaßnahmen.
Die darauffolgende Medienberichterstattung führte zu erheblichen Spannungen im Team. Kadermitglieder und Trainer wandten sich an das Präsidium des Deutschen Alpenvereins, welches eine Untersuchung in Auftrag gab. Ein Zwischenbericht einer Anwaltskanzlei beschrieb eine «Verunsicherung» und «Angstatmosphäre» im Team.
Felix Gramelsberger kann nicht nachvollziehen, wie solche Ängste entstehen konnten, da er seit März 2025 keinerlei Kontakt mehr zum Team hatte. Er vermutet, dass die Kommunikation unter Athleten missdeutet und an die Presse weitergegeben wurde.
Das DAV-Präsidium beschloss, dass die drei betroffenen Athleten bei den letzten internationalen Rennen nicht starten dürfen. Aufgrund begrenzter Teilnahmen am Weltcup droht ihnen der Verlust ihrer Sportförderung im Herbst.
Die Athleten erfuhren von ihrem Ausschluss aus Medienberichten und zeigten sich entsetzt. Wessling äußerte, sie habe nicht mit solchen Konsequenzen gerechnet. Gramelsberger sprach von zahlreichen, zähen Gesprächsversuchen.
Roland Stierle, Präsident des Deutschen Alpenvereins, bedauert die Entscheidung und räumt Mängel bei den Tests ein. Er gibt zu, dass er die Athleten hätte zur Anzeige raten sollen. Die Eskalation erklärt er nicht. Ein neues Kader wurde geschaffen, um die drei bis zu ihrer Sperre teilnehmen zu lassen.
In Unterredungen ging es hart zur Sache. Stierle wollte einen Rechtsstreit vermeiden und suchte nach Lösungen zum Wohl der Athleten. Für Wessling war dies jedoch eine machtlose Situation, in der sie sich dem Verein ausgeliefert fühlte.
Das Misstrauen ist groß. Bei Olympia-Nominierungen wurden Sektionsvertreter hinzugezogen, um Objektivität zu gewährleisten. Die Entscheidung basierte allein auf sportlichen Leistungen. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Hermann Gruber wurde als Sportlicher Leiter entlassen.