Während die Schweizer lange Zeit über das dysfunktionale Deutschland staunten, richten sie nun den Blick kritisch auf ihre eigene Sicherheitspolitik. Der sogenannte Popcorn-Moment, einst voller Selbstzufriedenheit beim Anblick der deutschen Steuern und Zustände, verblasste im eigenen Land. Die Schweiz schien immer reich, ruhig und reinlich – doch nun stellt sich die Frage nach ihrem inneren Frieden. Deutschland wirkt aktuell besonders unfähig zur Problemlösung. Die SPD zeigt seit den letzten Landtagswahlen Züge eines Zombies, der Gefahr läuft, die CDU mit in den Abgrund zu reißen – eine Entwicklung, die die AfD freut. Selbst Lars Klingbeils Reformrede und seine provokante Forderung nach mehr Arbeit ändern daran nichts. Der scheinbare Rückstand auf die perfekte Schweiz scheint unwidersprochen, doch das Gegenteil ist der Fall: Deutschland hat ebenfalls Gelegenheiten für Popcorntüten. Hier geht es nicht um die Tragödien von Brandkatastrophen, Selbstmorden in Postautos oder Gondelunglücken – trotz ihrer Häufungen bleiben sie zufällige Restrisiken jeder Zivilisation. Die Probleme liegen tiefer: Die nachhaltige Politik, die stabile Lösungen durch parteiübergreifende Kompromisse schaffen sollte, scheitert auf einem wichtigen Feld. Geopolitische Störungen bringen der Sicherheitspolitik einen perfekten Sturm. Weder F-35-Kampfjets noch Patriot-Flugabwehrsysteme halten ihre Versprechen; Kostenexplosionen und Science-Fiction-artige Liefertermine lassen die Schweiz machtlos dastehen. Ein Zahlungsstopp bei den Patriots beeindruckt die USA nicht, die nun auf Vorauszahlungen für F-35s zurückgreifen. Vertraute man zu lange blind auf die USA und prüfte europäische Alternativen zu spät? In Bern kursieren weitere unbequeme Fragen: Die Finanzierung der Armeeaufrüstung bleibt ungeklärt. Während die SVP Milliarden aus dem VBS einsparen möchte, will Verteidigungsminister Martin Pfister die Mehrwertsteuer erhöhen – was voraussichtlich vor dem Volk scheitert. Auch das gelockerte Kriegsmaterialgesetz könnte umstritten bleiben und die heimische Rüstungsindustrie gefährden. Die Schweiz kämpft im Inneren: Das System zeigt Schwächen gegenüber Bedrohungen, Partikularinteressen in allen Lagern unterminieren das Bewusstsein für die Dringlichkeit. Wohlstandsverwahrlosung beeinträchtigt die Konsensfähigkeit der Eidgenossen. Die Nachbarn fragen sich nur noch: Ist die Schweiz süss oder salzig, wenn es um Aufrüstung geht?