In Museen und Kirchen tragen Besucher durch Körperwärme, Schweiss und Staub zur Beschleunigung des Kunstverfalls bei. Ein prominentes Beispiel ist die Sixtinische Kapelle in Rom.
An Ostern zieht die Ewige Stadt viele Touristen an – besonders beliebt ist die Sixtinische Kapelle. In diesem Jahr jedoch bleibt das berühmte Fresko «Jüngstes Gericht» Michelangelos vorübergehend verhängt, da es bis Ende April restauriert wird. Seit der letzten großen Restaurierung 1994 wurde dies erstmals notwendig.
Der weissliche Schleier über dem 180 Quadratmeter großen Fresko ist eine direkte Folge des intensiven Besucherdrucks. Touristen bringen Staub, Feuchtigkeit und Schweiss mit sich, der Milchsäure enthält. Diese reagiert mit dem Kalk im Fresko zu Calciumlactat, einem Salz, das den Schleier verursacht. Restauratoren entfernen es durch vorsichtiges Abtupfen mit Seidenpapier und destilliertem Wasser.
Fresken sind komplex: Die Farben binden sich chemisch mit dem Kalkputz. Doch die Alterung in der Sixtinischen Kapelle hat zugenommen, da jährlich bis zu 30.000 Menschen täglich durch diese 41 Meter lange, 13 Meter breite und 21 Meter hohe Halle strömen. Jedes Jahr besuchen etwa sechs Millionen Menschen die Meisterwerke.
Arnold Nesselrath, ehemaliger Vizedirektor der Vatikanischen Museen, berichtet über den gestiegenen Besucherandrang seit der großen Restaurierung zwischen 1980 und 1994. Während diese Einkünfte für den Vatikanstaat wichtig sind, stellt die Kommerzialisierung von Kultur einen hohen Preis dar.
Obwohl seit 2014 eine spezialisierte Klimaanlage in Betrieb ist, gerät das System bei extremem Andrang und Hitze an seine Grenzen. Besonders problematisch bleibt der Feinstaub durch Zehntausende von Menschen.
Padua zeigt einen alternativen Ansatz: strikte Besucherlenkung kombiniert mit hochentwickelter Klimatisierung. In der Scrovegni-Kapelle werden Stäube und Verschmutzungen mittels Unterdruck vor dem Betreten des Hauptraums abgefangen.
Staub, Feuchtigkeit und Schadstoffe beeinträchtigen Kunstwerke nachhaltig: Farben verblassen, Salze wandern und führen zu Krusten oder Schleierbildung. Hohe Luftfeuchte begünstigt Mikroorganismenwachstum und chemische Veränderungen der Pigmente.
Kunstschätze altern von Natur aus, doch ihre Verschlechterung hat sich beschleunigt durch Massentourismus. Beispiele sind Leonardo da Vincis «Mona Lisa» im Louvre oder Botticellis «Geburt der Venus» in Florenz.
Auch kleinere Gebäude wie die Kirche St. Georg auf der Reichenau sind betroffen, wo Feinstaub und Temperaturschwankungen zu Schäden führen.
Der Klimawandel könnte den Zerfall weiter verstärken: Höhere Temperaturen und Feuchtigkeit belasten historische Bauten zusätzlich. Fabio Morresi von den Vatikanischen Museen macht den Klimawandel indirekt für die Verschlechterung in der Sixtina verantwortlich.
Die Beschränkung von Touristen wäre eine effektive Lösung zur Erhaltung der Kunst, wird jedoch selten umgesetzt. Eine Alternative sind Nachbildungen wie Lascaux 4, die echte Orte imitieren und den Druck auf Originale mindern könnten.
Ohne solche Maßnahmen bleibt nur die immer häufigere Restaurierung als riskante Methode zur Erhaltung der Kunstwerke.