Viele Menschen ziehen sich aufgrund der Flut schlechter Nachrichten vom aktuellen Geschehen zurück. Doch es ist klüger, sich auf das zu konzentrieren, was man selbst beeinflussen kann, insbesondere in diesem bemerkenswerten Jahr politischer Ereignisse.
Trotz des Osterfestes bleibt die geopolitische Lage angespannt. Die Situation in Nahost und der Ukraine zeichnet sich durch Unberechenbarkeit aus, ohne Anzeichen einer baldigen Entspannung. Einige reagieren mit Eskapismus; Kurt Aeschbacher empfahl beispielsweise im Magazin “50plus” anstelle von Nachrichten konsumieren ausgedehnte Waldspaziergänge.
Psychologische Fachleute schlagen jedoch eine andere Strategie vor: den Fokus auf beeinflussbare Aspekte des privaten und öffentlichen Lebens zu legen. Dieses Jahr bietet zahlreiche Entscheidungen, von der Individualbesteuerung bis zur Neutralitätsinitiative, sowie ein großes Interesse an Debatten über neue EU-Verträge vor den Abstimmungen.
Die Schweiz erlebt einen Moment ähnlich dem Jahr 1992 um die EWR-Abstimmung. Die Teilnahmequote bei Wahlen steigt: Bei den Zürcher Gemeinderatswahlen betrug sie 50,4 Prozent – die höchste seit fast fünfzig Jahren. Junge und Erstwähler engagierten sich vermehrt. Auch bei der nationalen Abstimmung am 8. März lag die Beteiligung mit über 55 Prozent deutlich über dem Durchschnitt.
Unser Politbetrieb mag bieder erscheinen, doch die vorgelegten Fragen sind keineswegs trivial. Wie verhält sich ein direktdemokratischer Staat in einer Welt zunehmenden internationalen Rechts? Wie gestaltet man eine wirtschaftsfreundliche Zuwanderung und ein gerechtes Steuersystem?
Anderswo überlassen Wissenschaftler diese Fragen der Forschung, bei uns werden sie an der Urne entschieden. Direkte Demokratie ermöglicht es jedem Bürger, ohne Fachliteratur zu diesen komplexen Themen Stellung zu beziehen. Friedrich Dürrenmatt sagte: “Was alle angeht, können nur alle lösen.” Dieser Gedanke gewinnt an Relevanz in einer Zeit geschwächter regelbasierter Ordnung und hebt die Vorzüge eines Systems hervor, das Macht zersplittert und den Bürgern überträgt.
Die direkte Demokratie erfordert, dass wir uns auch in turbulenten Zeiten auf das Engagement der Bürger verlassen können. Während ein Waldspaziergang als Ablenkung schön sein mag, bleibt die aktive Teilhabe an politischen Prozessen entscheidend.