Die Wahl zur Kirchenpflege in Zürich, die am kommenden Sonntag stattfindet, wird über den Umgang mit einem verborgenen Häuserbestand entscheiden. In einer Stadt, in der Wohnraum knapp ist, steht dieses Thema im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.
Pfarrer Res Peter sieht Parallelen zwischen seiner Vision für die Zukunft der Zürcher Reformierten und dem Gleichnis von den anvertrauten Talenten aus dem Matthäusevangelium. Hier wird ein Geschäftsmann beschrieben, der seinen Dienern Silbergeld anvertraut, das sie gewinnbringend investieren müssen. Der dritte Diener vergrub sein Geld und wurde dafür bestraft.
Peter, seit sechs Jahren Mitglied der Kirchenpflege und nunmehr Vizepräsident, strebt die Präsidentschaft an. Er verspricht eine offensive Strategie zur Bewirtschaftung des immensen kirchlichen Immobilienportfolios von geschätzten 1,1 Milliarden Franken, darunter 43 Kirchen, 34 Gemeindehäuser und weitere Liegenschaften mit insgesamt 318 Wohnungen. Diese sollen aktiv genutzt werden – sozial, ökologisch und wirtschaftlich.
Die Reformierte Kirche hat an Bedeutung verloren; nur noch 14 Prozent der Zürcher sind Mitglieder, verglichen mit 50 Prozent vor fünfzig Jahren und über 90 Prozent vor 175 Jahren. Die Folge: Leerstehende Kirchenräume werden im Durchschnitt nur dreizehn Stunden pro Woche genutzt.
Peter setzt sich für eine Strategie ein, die Rendite aus den Liegenschaften erhöht, durch Umnutzungen und Investitionen auf dem Kapitalmarkt. Ein Modell mit einem Drittel vergünstigter Wohnungen, kostendeckender Mieten und hochpreisigen Sponsor-Wohnungen soll finanzielle Mittel bereitstellen.
Sein Hauptgegner ist Mona Schatzmann, unterstützt von Michael Hauser. Sie befürworten eine behutsame Umnutzung unter Einbeziehung der Gemeinschaft. Hauser betont die Notwendigkeit, den Ertrag zu steigern, ohne das Tafelsilber zu verscherbeln – ein Ansatz, den er als ökonomisch erfolgreich hervorhebt.
Beispiele für Umnutzungen sind bereits in Zürich sichtbar: Die Bullingerkirche beherbergt Parlamentssitzungen und die Kirche Wipkingen wird zu einem Mehrzweckgebäude umgestaltet. In Schwamendingen steht ein Projekt zur Erhaltung der Saatlenkirche als spirituelles Zentrum an.
Die Wahl stellt mehr dar als eine Entscheidung über Immobilien; sie berührt theologische Fragen, wie die Balance zwischen Rendite und den biblischen Werten der Nächstenliebe. Peter sieht in seinem Ansatz das verantwortliche Handeln für die Zukunft der Kirche, während Schatzmann auf Hoffnung setzt, dass sich die Mitgliederzahlen wieder erhöhen könnten.
Das Gleichnis endet mit einer eindringlichen Botschaft: “Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.” Ein Gedanke, der den Wahlkampf um die Zukunft der Zürcher Reformierten prägt.