Im Sauriermuseum Aathal kam es zu einer sensationellen Entdeckung: Ein Gesteinsbrocken, der zwei Jahre lang unbeachtet in einem Lagerhaus des Zürcher Oberlands verweilte, enthüllt sich als einzigartiger Schädel eines jungen Camarasaurus. Dieser Fund ist besonders bemerkenswert, da der Erhalt eines solchen Sauropoden-Schädels aufgrund ihrer strukturellen Schwäche eine Seltenheit darstellt. Die Direktorin Yolanda Schicker-Siber betont die Fragilität solcher Fossilien, weshalb sie oft erst im Labor vollständig präpariert werden können.
Die Entdeckung begann vor zwei Jahren in einem Steinbruch in Wyoming, als das Team des Museums einen Gesteinsblock aus der Morrison-Formation fand. Erst Anfang 2026 wurden die Präparationsarbeiten aufgenommen und das wahre Ausmaß des Fundes enthüllt: Es handelt sich um den Schädel eines juvenilen Camarasaurus, liebevoll “Lucy” genannt.
Die fast unversehrte Konservierung ist einem geologischen Glücksfall zu verdanken – die feinen Sandsteinschichten schützten die Knochen wie eine natürliche Schutzhülle. Emanuel Tschopp von der Freien Universität Berlin hebt hervor, dass weltweit nur ein ähnliches Exemplar in dieser Altersklasse existiert.
Der Camarasaurus, im Alter von acht bis zehn Jahren verstorben, ist durch seine massiven, schaufelförmigen Zähne gekennzeichnet. Diese Eigenschaft erlaubt Rückschlüsse auf die Ernährung der Tiere und bietet neue Einblicke in deren Ökosysteme.
Das Sauriermuseum Aathal finanziert seine Projekte selbstständig, wobei die Ausgrabungsstelle im Besitz eines Schweizers ist. Die Präparation erfolgt in der Schweiz, bevor “Lucy” der Öffentlichkeit präsentiert wird.
Die Mutter-Tochter-Dynastie bei Schicker-Siber unterstreicht das familiäre Engagement des Museums: Während die Tochter andere Interessen verfolgt, arbeitet Sohn Lenny aktiv an den Ausgrabungen. Das Team in Aathal demonstriert mit “Lucy” einmal mehr seine herausragende Stellung in der Paläontologie.
Seit dem 3. April 2026 ist der Schädel ausgestellt und die Arbeiten am Gesteinsblock werden fortgesetzt, um weitere Knochen zum gleichen Tier zu entdecken. Die Geschichte von “Lucy” verspricht also noch viele neue Erkenntnisse.