Oliver Gottsponer aus Visperterminen VS ist im Besitz von 90 Schwarznasenschafen, die er seit kurzem geschoren hat. Diese Tiere müssen zweimal jährlich geschoren werden, da ihre Wolle sehr lang wird. Jedes Schaf produziert zwischen fünf und sechs Kilo Wolle pro Jahr, was insgesamt etwa 200 Kilo ergibt.
Für Gottsponer ist die Haltung der Schafe eher eine Nebentätigkeit – ein übliches Bild für Walliser Schäfer. Die Wollproduktion lohnt sich nicht mehr wie früher, als man pro Kilo Wolle über fünf Franken erhielt. Heute machen die Kosten für das Scheren den Erlös oft zunichte.
Das Hauptproblem ist der Markt: Gefragt sind feine Wollen, während die rauere Wolle der Schwarznasenschafe nicht geeignet ist. Der Grossabnehmer Swiss Wool lehnt seit zwei Jahren die Annahme von Walliser Wolle ab, da die Lager voll sind.
Schäferinnen und Schäfer suchen daher nach alternativen Verwendungsmöglichkeiten für ihre Wolle. Viele entsorgen sie schlicht in der Kehrichtverbrennung. Gottsponer jedoch fand eine Lösung: Fabienne Truffer aus Erschmatt verarbeitet die gewaschene Wolle zu Produkten wie Sitzkissen, Plüschtiere oder Dekoartikel, die sie online verkauft. Die Nachfrage nach diesen handgemachten Waren ist groß.
Truffer bietet zudem Kurse zum Spinnen und Filzen an, um das traditionelle Handwerk weiterzugeben. Auch Gottsponer sieht es als wichtig an, neue Wege für seine Schafwolle zu finden und gleichzeitig die Traditionen zu bewahren.
Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz in Gärten: Ungeeignete Wolle, wie jene vom Unterbauch oder den Beinen, eignet sich gut als Dünger. Ungewaschene Wolle zusammen mit Mist bietet Stickstoff für Pflanzen und hilft dabei, Wasser im Boden zu speichern – besonders nützlich in trockenen Sommern.
Gottsponer teilt seine Wolle mit Nachbarn und verwendet sie selbst unter Obstbäumen. So entdeckt man vielfältige Wege, Schafwolle sinnvoll zu nutzen und Müll zu vermeiden.