In vielen Schweizer Gemeinden ist die Einbindung von Kindern und Jugendlichen in Bau- und Planungsprojekte nicht systematisch geregelt, wie eine neue Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zeigt. Die Partizipation hängt meist vom Engagement einzelner Personen ab und es mangelt an umsetzungsrelevantem Wissen.
Die Untersuchung des Uno-Kinderhilfswerks Unicef Schweiz und Liechtenstein sowie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), die am Montag veröffentlicht wurde, verdeutlicht, dass sich die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen auf zwei weitgehend unverbundene Bereiche verteilt: formelle Verfahren bei Planungs- und Bauprojekten sowie alltagsnahe Ansätze in Schulen oder der Jugendarbeit. Eine Verknüpfung dieser beiden Teilbereiche ist selten.
Ein zentrales Problem ist die fehlende verbindliche Verankerung der Partizipation, so dass deren Umsetzung oft von einzelnen engagierten Personen abhängt und bei personellen oder politischen Wechseln brüchig wird. “Viele Gemeinden möchten Kinder und Jugendliche einbeziehen”, sagt Nadine Junghanns von Unicef in der Studie, “aber es fehlt häufig an Wissen und Erfahrung im Bereich wirkungsvoller Umsetzung.”
Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Gemeinden. Größere Gemeinden verfügen oft über etablierte Strukturen, stehen jedoch vor Koordinations- und Abstimmungsproblemen, während kleinere Gemeinden von kurzen Wegen profitieren, aber stärker unter Ressourcenknappheit leiden.
Die Studie belegt zugleich die Vorteile der Partizipation. Projekte, an denen Kinder und Jugendliche beteiligt sind, berücksichtigen besser deren Bedürfnisse und finden auch bei älteren Generationen höhere Akzeptanz. Erfahrene Gemeinden berichten von Lernprozessen und einer zunehmend partizipationsfreundlichen Verwaltungskultur.
Die Autoren der Studie fordern eine klare politische Verankerung, verbindliche Zuständigkeiten sowie ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen. Ebenso wichtig sei die institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsabteilungen. Die Beteiligung müsse zudem frühzeitig über alle Projektphasen hinweg erfolgen.
Die Studie basiert auf einer quantitativen Umfrage in allen Schweizer Gemeinden und in Liechtenstein sowie vertiefenden Expertengesprächen aus zehn Gemeinden unterschiedlicher Größe und Sprachregion.