Die Beziehung zwischen den USA und der Nato steht aufgrund erheblicher Spannungen vor großen Herausforderungen. US-Präsident Donald Trump zeigt sich unzufrieden darüber, dass seine Verbündeten ihn im Konflikt um den Iran nicht unterstützt haben. Seine Frustration äußerte er deutlich gegenüber dem Nato-Generalsekretär und wurde von Mark Rutte als ‘deutliche Enttäuschung’ beschrieben. Die Beziehungen sind bereits seit Jahresbeginn angespannt, nachdem Trump mit der Übernahme Grönlands gedroht hatte, was unter den europäischen Alliierten für Empörung sorgte.
Historisch gesehen ist es nicht das erste Mal, dass die Nato von internen Konflikten erschüttert wird. Ein Blick auf einige bedeutende Krisen:
Schon während seines Wahlkampfs 2016 hinterfragte Trump das Engagement der USA in der Nato und bezeichnete die Kosten als enorm. Kurz vor seinem Amtsantritt im Jahr 2017 nannte er das Bündnis ‘veraltet’, was in Europa zu Unruhe führte. Er kritisierte fortwährend, dass viele Partnerstaaten, besonders Deutschland, das Zwei-Prozent-Ziel bei den Verteidigungsausgaben nicht erreichen. Trump drohte sogar mit dem Abzug von US-Soldaten aus Deutschland. Diese Druckmittel haben allerdings dazu geführt, dass die Nato-Staaten mehr in ihre Verteidigung investieren.
Der Irak-Krieg 2003 markierte einen Tiefpunkt der politischen Krise innerhalb der Nato. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erklärte US-Präsident George W. Bush den ‘Krieg gegen den Terror’, wobei auch der Irak ins Visier geriet. Die USA suchten im Vorfeld des Krieges Unterstützung durch die Nato, stießen jedoch auf entschiedene Ablehnung von Deutschland und Frankreich. Dies führte zu scharfen US-Kritiken an diesen Ländern, während andere Partner den USA beitraten. Die Suche nach einem Kompromiss belastete das Bündnis schwer.
In den 1970er-Jahren reagierte die Nato auf die Modernisierung von Mittelstreckenraketen der Sowjetunion mit ihrem Doppelbeschluss von 1979: Verhandlungen sollten geführt, aber auch eine eigene Aufrüstung eingeleitet werden, falls bis 1983 keine Lösung gefunden wird. Dies löste in zahlreichen Nato-Staaten, insbesondere in Deutschland, heftige Proteste aus und spaltete die Gesellschaften.
Ein konstanter Konfliktherd innerhalb der Nato ist das angespannte Verhältnis zwischen Griechenland und der Türkei. Spannungen eskalierten 1974, als die Türkei nach einem Putschversuch in Zypern militärisch eingriff und den nördlichen Teil der Insel besetzte. Griechenland zog daraufhin vorübergehend aus der Nato-Militärstruktur zurück.
Nach der Verstaatlichung des Suezkanals durch Ägypten griffen die Nato-Länder Großbritannien und Frankreich militärisch ein, unterstützt von Israel. Die USA setzten sich jedoch gegen ihre engsten Verbündeten zur Wehr und zwangen sie zum Rückzug. Dies führte zu einem Machtverlust für Großbritannien und Frankreich auf der globalen Bühne. In den folgenden Jahren bemühte sich Frankreich, seinen Einfluss im Bündnis zurückzugewinnen, scheiterte jedoch und zog 1966 aus der Nato-Militärstruktur zurück. Das Hauptquartier musste von Paris nach Brüssel verlegt werden. Seit 2009 ist Frankreich wieder vollständig in die Militärstrukturen integriert.