Nach einem tödlichen Schusswaffenangriff in der Türkei, bei dem neun Menschen starben, fokussieren sich die Behörden auf Chats und soziale Netzwerke. Die Ermittlungen legen nahe, dass es sich um eine geplante Tat handelte. Der mutmaßliche Täter war erst 14 Jahre alt.
(dpa) Türkische Sicherheitskräfte haben in Folge von Angriffen an zwei Schulen mit Schusswaffen die Aufmerksamkeit auf verdächtige Kommunikationskanäle und soziale Netzwerke gerichtet. Bislang wurden 411 Personen festgenommen, die irreführende Beiträge veröffentlichten, Drohungen aussprachen oder Hass verbreiteten, wie am Freitag von der Polizei berichtet wurde.
Nachdem ein Schüler in Kahramanmaras wahllos um sich geschossen und acht Mitschüler sowie einen Lehrer getötet hatte, deutet alles darauf hin, dass es sich um eine geplante Aktion handelte. Auf dem Computer des mutmaßlichen Täters wurden entsprechende Beweise gefunden.
Der 14-Jährige hatte bei dem Vorfall am Mittwoch fünf Waffen und sieben Magazine in seinem Rucksack versteckt, wie der Gouverneur mitteilte. Der Schüler ist laut offiziellen Angaben ebenfalls ums Leben gekommen, wobei die Umstände seines Todes noch unklar sind.
Der Vater des Jugendlichen gab an, dass sein Sohn großes Interesse an Waffen gezeigt habe und ihn vor der Tat auf einen Schießstand begleitet hatte. Der 14-Jährige war zudem in psychologischer Behandlung.
Ein Haftbefehl gegen den Vater des Angreifers – ein pensionierter Polizist – wurde erlassen, da dieser seine Waffen zur Verfügung gestellt haben soll. Auch die Mutter wurde festgenommen.
Die Polizei teilte mit, dass der Vorfall in Kahramanmaras als Einzeltat ohne terroristischen Hintergrund zu werten sei. Der mutmaßliche Angreifer hatte ein Foto eines Amokläufers aus den USA auf Whatsapp als Profilbild verwendet.
Präsident Recep Tayyip Erdogan bekundete sein Beileid und äußerte, die Türkei sei erschüttert. Oppositionsführer Ögzür Özel forderte verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an Schulen im Land. Zuvor war es am Dienstag in Sanliurfa zu einem Schusswechsel gekommen, bei dem 16 Menschen verletzt wurden.
Nach diesen Vorfällen kündigte das Innenministerium Verschärfungen der Sicherheitsvorkehrungen an Schulen an. Bildungsgewerkschaften protestierten in Istanbul und Ankara gegen Gewalt im schulischen Umfeld.
Die Polizei teilte mit, dass im Zusammenhang dieser Ereignisse 11 Telegram-Kanäle geschlossen wurden und 307 Betreiber von Konten identifiziert wurden, die aggressive Inhalte verbreiteten. Nutzer auf Telegram sollen zu weiteren Angriffen an Schulen aufgerufen haben.