Die Berichterstattung konzentriert sich oft auf die Blockade der Meerenge von Hormuz, doch das Hauptproblem ist nach wie vor der seit Langem schwelende Atomkonflikt mit Iran. Trotz schwerer Rückschläge bleibt Iran unbeirrt bei seinem Nuklearprogramm, was ernsthafte Bedenken aufwirft.
Derzeit herrscht ein ungewöhnlicher Waffenstillstand am Persischen Golf: Die Gewalt hat nachgelassen, aber die Konfliktherde sind keineswegs beseitigt. Präsident Donald Trump verspricht eine baldige Einigung mit Iran, obwohl beide Seiten immer noch weit auseinanderliegen. An den Finanzmärkten herrscht Zuversicht, mit einem neuen Rekordhoch an der Wall Street, trotz fehlender Vorhersehbarkeit in der Region. Der Ölpreis sinkt unbeeindruckt davon, dass weniger Tanker als vor einer Woche die Meerenge von Hormuz durchqueren.
Nun hängt viel davon ab, ob eine angekündigte neue Verhandlungsrunde stattfindet und die Waffenruhe verlängert werden kann, um eine langfristige Einigung zu erzielen. Die Forderungen der USA sind klar: Iran soll den Handelsverkehr im Golf freigeben, auf Urananreicherung verzichten, seine Raketenrüstung einschränken und die Unterstützung schiitischer Milizen in der Region beenden.
Washington fordert im Grunde nichts anderes als normales Verhalten Irans innerhalb der internationalen Gemeinschaft. Das Regime darf an der Macht bleiben, solange es aufhört, seine Nachbarn mit Raketen, Drohnen und schiitischen Hilfstruppen einzuschüchtern.
Trotz berechtigter Kritik an der amerikanischen Kriegsplanung ist erkennbar, dass in Bezug auf diese vier Kernforderungen bereits Fortschritte erzielt wurden. Das Raketenprogramm Irans wurde durch amerikanisch-israelische Angriffe um Jahre zurückgeworfen. Die Bedrohung durch proiranische Milizen hat sich entschärft, seit Israels Streitkräfte Hamas und Hizbullah geschwächt haben. Zudem spürt Iran die negativen Folgen seiner Blockade der Meerenge von Hormuz, da die USA daraufhin ihre eigene Blockade iranischer Häfen verhängt haben, was Milliardenverluste für das Land bedeutet.
Das hartnäckigste Problem bleibt jedoch der Atomstreit. Kernpunkt ist Irans Bestreben, nukleare Schwellenmacht zu werden. Obwohl es seine Absichten bestreitet und Atombomben als unislamisch bezeichnet, gibt es zahlreiche Hinweise auf militärische Entwicklungen und die Herstellung von hochangereichertem Uran ohne zivile Nutzung.
Israel und die USA hatten legitime Gründe für ihre Angriffe auf iranische Atomanlagen. Doch der Atomkonflikt ist immer noch nicht gelöst, da Iran laut IAEA weiterhin 440 Kilogramm an hochangereichertem Uran besitzt, das bei weiterer Verarbeitung für bis zu zehn Atombomben genutzt werden könnte. Nach einem Zwölftagekrieg verweigert Iran den Inspektoren der IAEA den Zugang.
Eine gewaltsame Sicherstellung des Urans ist praktisch unmöglich, da Iran die Zugänge zu seinen Anlagen unpassierbar gemacht hat. Diplatischer Druck und die Androhung weiterer Angriffe scheinen jedoch erforderlich, um Irans nukleare Bestände sicherzustellen.
Die US-Regierung sollte keine halbherzigen Kompromisse eingehen. Erst wenn Iran sein hochangereichertes Uran unter internationaler Aufsicht entfernt oder neutralisiert und generell auf Anreicherungsprogramme verzichtet, kann eine Lösung in Sicht sein. Die Hartnäckigkeit Irans bei der Beibehaltung seiner Atomambitionen zeigt, dass der Traum von einer eigenen Atombombe weiterhin besteht. Solange dies so bleibt, ist kein echter Frieden am Golf möglich.