Alexander Kluge war bekannt für seine überraschenden und neugierigen Ansätze, die ihn als «verdeckten Ermittler» beschrieben. Als Jurist, Schriftsteller, Filmemacher und Fernsehproduzent, geboren 1931 in Halberstadt, erlebte er als Jugendlicher den Luftangriff der Alliierten auf seine Heimatstadt – ein prägendes Erlebnis, das sein Werk oft inspirierte. Die Verflechtung von privaten und öffentlichen Geschichten sowie historischen Details faszinierte ihn zutiefst.
Eines seiner bekanntesten Filme, «Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit», und sein Werk «Geschichte und Eigensinn» (geschrieben mit Oskar Negt) zeugen von seiner tiefgreifenden Auseinandersetzung mit Geschichte. Sein Film «Abschied von gestern» revolutionierte 1966 das Kino und spiegelte seine einzigartige, assoziative Herangehensweise wider.
Kluges breit gefächertes Interesse reichte von der Oper bis zur Astrophysik, wobei er die Expertise anderer meisterhaft nutzte. Berühmt wurden seine TV-Gespräche in den späten 1980er Jahren, in denen er als Produzent agierte und Dialoge mit Intellektuellen wie Heiner Müller schuf.
Erkannt hatte er früh das Potenzial des deutschen Privatfernsehens. Mit strategischer Weitsicht gründete er 1987 die Produktionsfirma dctp, um private Sender mit kulturellen Beiträgen zu bereichern – eine Initiative, die zur Entstehung von «Spiegel TV» führte.
Kluge war keineswegs ein Kulturpessimist. Er strebte danach, in allen Medien Geschichten zu erzählen und Lernprozesse ohne pädagogischen Zwang anzuregen. Seine Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Büchner-, Kleist-, Adorno- und Heinrich-Heine-Preis sowie das «Grosse Bundesverdienstkreuz» im Jahr 2007.
Als jemand, der sich selbst als Glückssucher bezeichnete, verstand er es, seine Leidenschaft für Geschichten mit einer tiefen Diskretion in seinem Privatleben zu vereinen. Kluge war eine bedeutende öffentliche Figur und einer der einflussreichsten Intellektuellen seiner Zeit.
Mit 94 Jahren ist Alexander Kluge verstorben, wie vom Suhrkamp-Verlag bekannt gegeben wurde. Seine leise, aber nachdrückliche Stimme wird weiterhin fehlen.