Auf einem Parkplatz in Amsteg, Kanton Uri, steht eine Drohne bereit für ihren Jungfernflug. Ähnlich einem gigantischen Insekt mit schwarzem Korpus und dünnen Beinen wartet sie auf den Start, um autonom Waren durch die Luft zu transportieren. Journalisten, Unternehmer und Politiker haben sich eingefunden, um diesem Ereignis beizuwohnen.
Die Drohne gehört EBIRD Logistics, einem Unternehmen, das seinen Sitz in Uri errichten möchte. «Wir könnten hier Inspektionsflüge für Stromleitungen oder Lieferdienste für Alphütten anbieten», erklärt Direktor Martin Büsser. Während die schwarze Drohne bislang zehn Kilogramm transportieren kann, existieren bereits Modelle mit einer Tragfähigkeit von 80 Kilogramm.
Der Startschuss fällt: Schnell hebt die Drohne ab, steigt in die Höhe und verschwindet hinter den Bergen. Ihr Ziel ist das Dorf Bristen, gelegen 350 Meter höher. Unter Satellitengestaltung folgt sie einer vorprogrammierten Flugroute.
Der Pilot verliert schnell den Sichtkontakt – ein Verfahren, das in der Schweiz normalerweise nicht erlaubt ist. Deshalb bedurfte es einer Sondergenehmigung durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt. Dies markiert den ersten autonomen Langstreckenflug dieser Art in den Alpen, auf welchen Martin Büsser mehrere Monate gewartet hat.
Ein weiteres Argument für die Niederlassung von EBIRD Logistics in Uri ist das «Alpine Drone Consortium». Dieses Projekt strebt an, im Gebiet der Kantone Uri, Graubünden und Tessin ein Testgebiet für Drohnen zu schaffen. Hier sollen solche Flüge erleichtert werden. Silvan Küng, Initiator des Projekts, betont: «Dies ist eine Pionierleistung und zeigt die Machbarkeit in den Alpen.»
Die Ankunft der Drohne in Bristen wird auf einem Bildschirm überwacht. Auch zeigt die Drohnencam, wie das Test-Transportgut – ein schwarzes Köfferchen – von Mitarbeitern entgegen genommen wird. Der Flug dauerte knapp sieben Minuten und war somit schneller als jedes Auto auf der kurvigen Bergstraße.
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt begrüßt das Vorhaben, sieht es jedoch auch vor Herausforderungen gestellt: Das Projekt sei «ambitioniert», so Mediensprecher Christian Schubert im Februar. Testgebiete seien grundsätzlich möglich, doch die Bewilligung komme mit Schwierigkeiten daher, insbesondere wenn mehrere Betreiber unterschiedliche Bedürfnisse haben.
Die rechtlichen Grundlagen für solche Gebiete sind spezifisch und bedürfen einer genauen Risikobewertung. «Je breiter die Anwendung, desto schwieriger ist es, alle Risiken zu minimieren», sagt Schubert. Martin Büsser hält jedoch an der Überzeugung fest, dass Drohnen vielfältige Bedürfnisse in den Alpen decken könnten: Transporte, Inspektionen und Infrastrukturwartungen.
Um wirtschaftlich rentabel zu sein, müssen die rechtlichen Hürden sinken – das geplante Testgebiet in den Urner Alpen soll hierbei helfen.