Im Kanton Aargau steht ein fünfköpfiges Komplott aus jungen Männern vor Gericht, das über Jahre hinweg zahlreiche Straftaten begangen haben soll. Der Prozess beginnt Ende April und zählt zu den bedeutendsten in der Region. In einer nächtlichen Aktion am 3. Januar 2024 versuchten zwei Mitglieder des sogenannten «Wolfsrudels» in eine Firma in Möhlin einzubrechen. Während ein Täter als Bewacher fungierte, entwendete der andere Datenträger und verursachte erheblichen Schaden an Elektronik. Ein späterer Einbruchsversuch in ein nahegelegenes Klubhaus wurde durch die Anwohner verhindert. Die Gruppe soll über Jahre hinweg etliche Verbrechen begangen haben, darunter der Einbruch in Militäranlagen und das Entwenden einer Kalaschnikow. Sie fälschten Ausweise, legten Brände und versuchten, Kinderpornografie im Internet zu verkaufen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten mehr als vierzig Delikte zwischen Februar 2022 und Mai 2024 vor. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 400’000 Franken, die Deliktsumme beträgt weitere 50’000 Franken. Zu den Betroffenen zählen Privatpersonen sowie große Institutionen wie SBB, Sunrise, Swisscom, die Stadt Rheinfelden und die Armee. Anfang Juli 2025 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Hauptbeschuldigten, denen Freiheitsstrafen zwischen sechs und zehn Jahren drohen. Die Unschuldsvermutung gilt weiterhin. Besonders schwer wiegen die Sabotageakte an kritischen Infrastrukturen: Im September 2023 sollen die Täter am Bahnhof Rheinfelden Hemmschuhe entwendet haben, um einen Zug zu gefährden. Obwohl keine Entgleisung verhindert werden konnte, betonte die Oberstaatsanwaltschaft das Glück des Zufalls. Digitale Attacken gehören ebenfalls zum Deliktskatalog der Gruppe: Mit DDoS-Attacken legten sie im Dezember 2023 Telekomserver lahm und erpressten ein Unternehmen mit einer Forderung von drei Bitcoins, um die Dienste wiederherzustellen. Kurz darauf wurden Glasfaserkabel in Rheinfelden mehrmals angegriffen, was zu wiederholten Internetausfällen führte. Die Beschuldigten sind Schweizer, heute zwischen 19 und 20 Jahre alt und stammen aus gutbürgerlichen Verhältnissen. Sie agierten organisiert und mit technischem Wissen, nutzten Pseudonyme wie «Smarts», «Anvivos» und «Heisenberg». Ein Gutachten zeigt auf, dass die Delikte zunehmend komplexer wurden. Fabian Ilg von der Schweizerischen Kriminalprävention bemerkte seltenes Vorgehen junger Täter gegen kritische Infrastrukturen. Fragen zur Informationsbeschaffung und Motivation der Gruppe bleiben jedoch offen, genauso wie die Hintergründe politisch anmutender Schmierereien. Einer der Hauptangeklagten sitzt seit Mai 2024 in Untersuchungshaft. Er streitet sich mit dem Verfahren und verlangt Einsicht in forensische Daten nach vermeintlichen Manipulationen. Der Prozess vor dem Bezirksgericht Rheinfelden beginnt am 27. April und ist bis Mitte Juni angesetzt.