In einer wachsenden Zahl von Beziehungen sind Frauen besser ausgebildet, verdienen mehr oder genießen ein höheres gesellschaftliches Ansehen als ihre männlichen Partner. Dies wirft die Frage auf, ob sich der Trend zur sogenannten Trophy-Wife nun umkehrt und der Trophy-Husband folgt. In Emily Brontës «Sturmhöhe» ist es ein entscheidender Satz: «Es würde mich erniedrigen, Heathcliff jetzt zu heiraten», sagt Catherine vor ihrer Haushälterin. Ohne zu wissen, dass er ihr Geständnis belauscht hat, zieht der von Standesunterschieden enttäuschte Heathcliff ab. Damals wäre eine solche Beziehung gesellschaftlich undenkbar gewesen. Heute könnten Paare wie Catherine und Heathcliff durchaus Erfolg haben. Die Hypogamie – das Phänomen, bei dem Frauen höhere Bildungsabschlüsse oder ein besseres Einkommen als ihre Partner haben – wird zunehmend häufiger. So stieg der Anteil hypogamer Ehen in den USA von 39 Prozent im Jahr 1980 auf 62 Prozent vierzig Jahre später. Dies ist kein alleiniger Trend in Amerika: Forscher berichten, dass Frauen weltweit besser ausgebildet sind und Männer zunehmend hinter ihnen zurückbleiben. Der «Economist» stellt fest, dass der Altersunterschied zwischen reichen Paaren abnimmt und sich die sogenannte Trophy-Wife in den Hintergrund verabschiedet. Frauen mit steigenden Einkommen und Selbstbewusstsein verzichten auf das Bild des Sugar-Daddys. Prominente Beispiele für solche Partnerschaften sind Jeff Bezos und Lauren Sánchez-Bezos, die Beckhams und Cristiano Ronaldo mit Georgina Rodríguez sowie Zendaya und Tom Holland – allesamt Paare von gleichem Alter und Erfolg. Der amerikanische Autor Jon Birger fragte sich 2015 in «Date-onomics», ob Frauen zu qualifiziert für eine Heirat seien, wobei immer mehr Akademikerinnen sich lieber die Eizellen einfrieren lassen. In der Schweiz hatten im Jahr 2022 bei den 25- bis 34-Jährigen 53 Prozent der Frauen einen Hochschulabschluss, verglichen mit 50 Prozent der Männer. Bei den 25- bis 34-Jährigen in den USA haben 47 Prozent der Frauen einen Bachelorabschluss, während es nur 37 Prozent der Männer sind. Die Tendenz ist steigend, besonders in Berufen wie Medizin. «Nach unten zu daten» scheint für viele Frauen alternativlos, wenn sie nicht Single bleiben möchten. Diese Veränderung zeigt den Wandel von alten Rollenvorstellungen und macht es weniger «erniedrigend», einen Partner mit niedrigerem Status zu wählen. Die umgekehrte Dynamik kann jedoch auch zu Spannungen führen, da traditionelle Rollenverteilungen in Frage gestellt werden. Soziologen weisen darauf hin, dass hypogame Paare häufiger scheiden und sich die Konstellation auf das Wohl der Kinder auswirken könnte. Es ist wahrscheinlicher, dass eine «Hypogamie light» mit überschaubaren Statusunterschieden zunehmend verbreitet sein wird, wie bei Oprah Winfrey oder Annalena Baerbock. Die Idee von Partnerschaft als Ergänzung zweier Menschen bleibt dabei revolutionär.