Tausende Stadttauben bewohnen die Schweizer Stadt Luzern, was immer wieder zu hitzigen Diskussionen führt. Sonja Lingchungtsang ist eine entschiedene Befürworterin dieser Vögel und fordert ein Umdenken in ihrer Betreuung.
Sonja Lingchungtsang, Mitglied im Verein Stadttauben Schweiz, Sektion Luzern, beschreibt die Tauben als “schöne, liebe Tiere”, die oft missachtet werden. Sie kritisiert das Verhalten vieler Menschen, die die Vögel ignorieren oder sogar absichtlich beunruhigen.
Während eines Rundgangs durch Luzern zeigt sie auf, wie Tauben zwischen den Menschen und ihrem Leben in der Stadt bestehen müssen. Sie betont, dass Tauben von Haustieren abstammen und daher nicht einfach ihren natürlichen Instinkten überlassen werden sollten.
Die Zahl der Stadttauben liegt zwischen 2.000 und 3.000. Oft als “nervig” betrachtet, da sie auf Balkonen sitzen oder Kot hinterlassen, hat die Stadt Luzern ein Fütterungsverbot eingeführt. Lingchungtsang argumentiert jedoch, dass dies nicht der Lösung entspricht, da Tauben genetisch und historisch als Haustiere zu betrachten sind.
Die Tierschützerin erzählt von ihrer eigenen Reise zur Wissensvermittlung über Stadttauben. Nachdem sie beobachtete, wie diese Vögel Schwierigkeiten hatten, sich an ein Vogelhäuschen im Garten anzupassen, begann sie sich intensiver mit ihrem Schicksal auseinanderzusetzen.
In Augsburg gibt es seit drei Jahrzehnten betreute Taubenschläge, wo die Vögel artgerecht leben können. Diese bieten ein nachhaltiges Modell zur Reduzierung der Population ohne Tierquälerei. Lingchungtsang ist fasziniert von diesem Ansatz, sieht jedoch wenig Begeisterung seitens der Stadtverwaltung in Luzern.
Die Stadt Luzern setzt auf das Basler Modell, um die Taubenpopulation durch Reduzierung des Nahrungsangebots zu kontrollieren. Seit Einführung dieses Konzepts ist die Zahl der Vögel von etwa 7.000 auf 2.000 bis 3.000 gesunken. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass dies nicht nachhaltig sei.
Lingchungtsang zeigt sich frustriert über den Umgang mit den Tauben und vergleicht ihn mit der Reaktion auf andere Tiere wie streunende Katzen oder Hunde. Trotz des Widerstands wird sie weiter für die Belange der Stadttauben eintreten.
Am 9. Mai will der Verein Stadttauben Schweiz an einem Infostand im Schwanenplatz über das Augsburger Modell informieren und zur Verantwortung aufrufen, sich um diese “Stadt-Haustiere” zu kümmern.