Stefan Fritschi von der FDP hat die Wahl zum Stadtpräsidenten von Winterthur gewonnen und tritt damit die Nachfolge von Michael Künzle an, der nach 14 Jahren im Amt nicht mehr kandidierte. In einer Zeit finanzieller Herausforderungen konnte sich Fritschi gegen den Sozialdemokraten Kaspar Bopp durchsetzen. Mit 16 144 Stimmen lag er knapp vor seinem Gegner, der 15 460 Stimmen erhielt, bei einer Wahlbeteiligung von 44,13 Prozent.
Der 55-jährige Fritschi leitet seit 2010 das Departement Technische Betriebe und vertritt die Prinzipien der Kollegialität und Konkordanz. Als Verfechter eines ausgewogenen Freisinns betont er auf seiner Kampagnen-Website die Bedeutung einer starken Wirtschaft, setzt sich aber auch für bezahlbaren Wohnraum und gute Schulen ein. Sein beruflicher Hintergrund als Betriebs- und Produktionsingenieur ETH unterstreicht sein technisches Know-how.
Der 46-jährige Bopp, Finanzvorsteher seit 2019, hatte vor vier Jahren ebenfalls für das Stadtpräsidium kandidiert, war jedoch gescheitert. Seine politischen Ziele umfassten den Ausbau von bezahlbarem Wohnraum und Kulturangeboten. Mit einem privaten Hintergrund in der Privatwirtschaft durch seine Lehre als Informatiker und späterer Abschluss an der Fachhochschule als Diplom-Ingenieur bringt er ebenfalls wertvolle Erfahrungen ein.
Im ersten Wahlgang Anfang März war das Ergebnis eng: Bopp lag leicht vor Fritschi, konnte aber nicht genügend Stimmen hinzugewinnen. Beide Kandidaten wurden auch als Stadträte gewählt, wobei Fritschi mit rund 22 300 und Bopp mit knapp dahinterliegenden Stimmen erfolgreich waren.
Der Machtwechsel markiert eine Zäsur in Winterthur, wo Michael Künzle lange Zeit als Stadtvater galt. Seine Beliebtheit machte ihn nahezu unbesiegbar, doch nun tritt Fritschi seine Rolle als Primus inter Pares im siebenköpfigen Stadtrat an, in dem die SP und die Grünen die Mehrheit halten.
Die neuen Herausforderungen umfassen potenzielle finanzielle Schwierigkeiten, da bereits Vorkehrungen für einen Sanierungsprozess getroffen wurden. Zudem ist Winterthur aufgrund des dritthöchsten Steuerfusses im Kanton Zürich wenig attraktiv für gute Steuerzahler.
Eine erneute Wahl in die Stadtregierung könnte schon nächstes Jahr anstehen, da der SP-Stadtrat Nicolas Galladé seine Ambitionen für einen Sitz im Regierungsrat bekanntgab. Die kantonalen Wahlen sind Anfang April 2027 angesetzt.
Zudem wechselt Wallisellen den Stadtpräsidenten: Adrian Bangerter von der SVP, Unternehmer und Finanzfachmann, trat ohne Gegenkandidaten im zweiten Wahlgang an.