Der Bundesrat und das Parlament planen, den Übergang vom Militär zum Zivildienst schwieriger zu gestalten. Dies betrifft Personen wie Ervin Morina, der sich nie für eine militärische Laufbahn interessierte. Sein Versuch, dem Dienst durch schlechte Leistung im Sporttest zu entgehen, misslang; er wurde zur Führungsunterstützung eingeteilt und verbrachte einen Teil seiner Rekrutenschule (RS) in einer als modern empfundenen Kaserne mit freundlichen Vorgesetzten. Seine Meinung änderte sich jedoch nach dem ersten Wiederholungskurs, der für ihn vor allem aus Leerlauf und unnötigen Märschen bestand. Als Jus-Student überlegte er, dass er die Zeit sinnvoller im Studium hätte nutzen können. Er entschied sich daraufhin für den Zivildienstwechsel – eine Entscheidung, an der er bis heute nicht zweifelt.
Morina half später in einer Arbeitsintegrationsküche und bei einem Hausdienst in einem Gefängnis mit, was ihm wertvolle Erfahrungen brachte. Er stammt aus einer Familie kosovarischer Flüchtlinge und gehört zu den rund einem Drittel der Schweizer Armeeangehörigen mit Migrationshintergrund. Trotzdem fühlte er sich im Militär isoliert, da er die einzige Person in seinem Freundeskreis war, die Dienst leistete.
Das Parlament und der Bundesrat möchten den Zivildienstwechsel erschweren, um aufgrund der verschlechterten Sicherheitslage nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 mehr Soldaten zu halten. Die geplanten sechs Maßnahmen schließen ein, dass Personen mindestens 150 Tage Zivildienst leisten müssen, unabhängig von den verbleibenden Militärdiensttagen. Aktuell wechseln viele erst nach Absolvierung der gesamten RS in den Zivildienst oder umgehen diese gänzlich.
Die Zahl der Zivildienstleistenden hat stark zugenommen und liegt bei etwa 60.000 Männern, die ihre Dienstzeit dort leisten. Ursprünglich war dieser als Lösung für Gewissensbegründete gedacht, da sie anderthalbmal so viele Tage wie Armeeangehörige leisten müssen.
Andrin Tschan hatte ebenfalls anfänglich Interesse am Militär und nutzte es zur Lastwagenausbildung. Nach der RS begann er ein Studium und verschob seine ersten beiden Wiederholungskurse, während er von Kameraden über Leerlaufzeiten und unangenehme Vorgesetzte hörte. Er füllte schnell das Onlineformular für den Zivildienst aus, da es ihm mehr Flexibilität bot.
Tschan sieht im Zivildienst weniger Stress und mehr Sinnhaftigkeit, trotz der längeren Dauer des Dienstes. Er leistete seinen Ersatzdienst als Fahrer bei einer Lebensmittelhilfeorganisation und einem Fahrdienst für Menschen mit Beeinträchtigungen, kritisiert jedoch einige Zivildienstplätze an Universitäten als Ressourcenverschwendung. Am 14. Juni wird über die Änderung des Zivildienstgesetzes abgestimmt, wobei der Bundesrat hofft, durch strengere Bedingungen die Anzahl der Gesuche zu reduzieren.
Sowohl Morina als auch Tschan verstehen das Ziel dieser Maßnahmen. Sie glauben jedoch, dass Menschen, die wirklich aus der Armee weg wollen, einen Weg finden würden. Das Referendumskomitee argumentiert ebenfalls, dass eine Verschärfung nicht unbedingt dem Militär zugutekäme, da viele Dienstpflichtige auf alternative Ausmusterungen ausweichen könnten.