Rom hat ein Verfahren gegen das Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti der Bar «Le Constellation» eingeleitet, nachdem sie im Fokus des italienischen Interesses stehen. Die Staatsanwaltschaft in Rom wird von Erstem Staatsanwalt Francesco Lo Voi sowie den Staatsanwälten Giovanni Conzo und Stefano Opilio geleitet, berichtete die Nachrichtenagentur Adnkronos am Dienstag.
Die italienischen Ermittler streben an, die Mobiltelefone der Opfer zu beschlagnahmen, um die Ereignisse aufzuklären. Die Anklage gegen das Paar Moretti lautet unter anderem auf fahrlässige Tötung und Brandstiftung.
Während in der Schweiz vor allem fahrlässige Tötung im Vordergrund steht, gelten die italienischen Gesetze als strenger. Dies führte zu Forderungen Italiens nach intensiveren Ermittlungen und einer gemeinsamen Untersuchung mit den Walliser Behörden, was anfängliche bilaterale Spannungen verursachte.
Nachdem der italienische Botschafter in Bern zurückgekehrt ist, sind die Zusammenarbeit zwischen den Ermittlungsbehörden beider Länder in vollem Gange. Bei dem Brand im Vorjahr kamen sechs junge Italiener ums Leben; elf weitere wurden verletzt.
In Italien wird der Fortschritt der Schweizer Untersuchungen mit grossem Interesse begleitet. Der «Corriere della Sera» berichtete ausführlich über die Vernehmung des Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud, dessen Anwalt Christian Delaloye am späten Montagabend in Sitten Medienanfragen beantwortete.
Féraud sei erleichtert gewesen, sich erklären zu können und Dinge richtigstellen zu dürfen, so der «Corriere della Sera», der gleichzeitig seine anhaltende Überzeugung anmerkt, die Gemeinde habe überwiegend korrekt gehandelt. Féraud betonte bei seiner Vernehmung, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass Sicherheitsprüfungen aufgrund struktureller Probleme und Personalmangels verzögert wurden.
Diese Aussagen stehen im Gegensatz zu denen von Gemeindeangestellten, die über unzureichende Ausbildung und mangelndes Personal bei den Kontrollen berichtet hatten. Einige Opferanwälte äusserten sich skeptisch über Férauds Angaben: Gilles-Antoine Hofstetter sagte gegenüber der «Le Temps», dass dieser an manchen Stellen auszuweichen schien und die Wahrheit noch weit entfernt sei.