Nach kontroversen Debatten um die Entlassung von Direktor Matthias Haldemann ist der Streit im Kunsthaus Zug wieder aufgeflammt. Der Vorstand hat sich gespalten, und ein neuer Konflikt entbrannt.
Im Osterwochenende 2025 trat Reto Fetz, Präsident der Kunstgesellschaft, zurück. Nach seiner Beurlaubung und Kündigung von Haldemann eskalierte die Situation weiter. Kurz nach Ostern 2026 übte Silvia Graemiger, Fetz’ Nachfolgerin, in einem dreiseitigen Dokument scharfe Kritik an den Vorstandsmitgliedern und der aktuellen Lage des Hauses.
Graemiger wurde im Juni 2025 in einer kontroversen Generalversammlung zur Präsidentin gewählt. Sie kündigte eine Überprüfung des Kunsthaus-Angebots und der Sammlung an, einschließlich der Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung Kamm.
Ein Bericht der Münchner Beratungsfirma Metrum, in Auftrag gegeben von Stadt und Kanton, offenbarte eine schwache Eigenfinanzierung und ein Führungsmodell, das zu sehr auf Haldemann fokussiert war. Graemiger versprach bei Amtsantritt, dysfunktionale Strukturen abzubauen und klare Prozesse einzuführen. Doch der Optimismus währte nicht lang.
Graemiger beschreibt nun Widerstand innerhalb des Vorstands: Mitglieder blockieren Reformen, Sitzungen werden versäumt, und ein Budget für 2027 fehlt. Ein Vorstandsmitglied ernannte sich zur Präsidentin ad interim, was zu Orientierungslosigkeit im Haus führte.
Graemiger kritisiert zudem die Unterfinanzierung des Kunsthauses: Bei einem Totalschaden oder Diebstahl wären Kanton und Stadt mit über 250 Millionen Schweizer Franken belastet. Die Provenienzprüfung fehle an Kompetenz, und das Depot sei in schlechtem Zustand.
Im Vorstand haben sich zwei Lager gebildet: Graemigers Seite besteht aus zwei Personen, die andere Seite aus vier. Ein Mitglied beantragte Ende Januar den Rücktritt der Präsidentin, woraufhin keine gemeinsame Sitzung stattfand. Die Gegenseite ernannte eine neue Präsidentin ad interim.
Der Vorstand äußerte sich in einer schriftlichen Stellungnahme zu unterschiedlichen Auffassungen über die strategische Ausrichtung und operative Fragen, die nicht überbrückt werden konnten. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei unmöglich geworden, weshalb Graemigers Abberufung beschlossen wurde.
Die geplante Umstrukturierung des Kunsthauses ist durch den Vorstandskonflikt blockiert. Ein Organisationsreglement steht noch aus, das die Entflechtung der Ämter von Graemiger als Stiftungsrätin bei der Stiftung „Freunde des Kunsthauses“ vorsieht.
Die Annahme, dass mit Haldemanns Fall der Höhepunkt erreicht war, erweist sich nun als Fehleinschätzung. Die Quellen: Schriftstück von Silvia Graemiger, Hintergrundgespräche, zentralplus-Medienarchiv und schriftlicher Austausch mit dem Kunsthaus.