Die Lorzenebene, die sich zwischen der Stadt Zug und drei Agglomerationsgemeinden befindet, erstreckt sich über zwei Kilometer in der Länge und eineinhalb Kilometer in der Breite. Sie liegt eingeklemmt zwischen Zugersee und Autobahn und ist somit einzigartig im Herzen eines boomenden Siedlungsgebiets. Diese bemerkenswerte Landschaft wurde von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz zur ‘Landschaft des Jahres’ erklärt.
Auf dieser Ebene begegnet man Kühen auf einem Bauernhof, sieht die Hochspannungsleitung und Zug’s Skyline, hört den Autobahnverkehr und spaziert am Seeufer entlang. “Das Gelingen der Koexistenz von Erholung, Landwirtschaft und Natur ist hier besonders beachtlich”, betont Franziska Grossenbacher, Co-Geschäftsleiterin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.
Die Tatsache, dass die Lorzenebene überhaupt noch existiert, ist nicht selbstverständlich. Im 20. Jahrhundert gab es Bestrebungen, das Gebiet anders zu nutzen: Ein Projekt für einen Militärflugplatz wurde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben und später unterlag die Ebene im Wettbewerb um einen Interkontinentalflughafen Zürich-Kloten. 1958 stand auch eine Autobahntrasse durch das Ufergebiet zur Diskussion.
Obwohl diese ambitionierten Pläne scheiterten, führte der Bevölkerungsanstieg im Kanton Zug zu einer zunehmenden Verkleinerung des Areals. Seit 2000 stieg die Einwohnerzahl um 34 Prozent. Doch genau in dieser Zeit setzte ein Umdenken bei der Nutzung der Lorzenebene ein, so Martina Brennecke von der Zuger Raumentwicklung.
Sie erklärt: “Die Gemeinden erkannten, dass weiteres Bauen das Ende der Ebene bedeutet hätte.” Deshalb wurde 2004 eine Siedlungsgrenze gezogen. Um die zukünftige Nutzung auszuhandeln, folgten lange Verhandlungen mit Workshops und Bevölkerungsbefragungen. Der resultierende Leitfaden fand Eingang in den kantonalen Richtplan, was zu einer Aufwertung der Ebene führte – das Seeufer wurde umgestaltet, und die Zugänglichkeit für Velofahrer sowie Fußgänger verbessert.
Franziska Grossenbacher hebt hervor: “Die Lorzenebene zeigt, dass Agrarlandschaften auch bei Bevölkerungswachstum erhalten bleiben können. Das ist modellhaft.” Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz betont, dass diese vorausschauende Planung beispielhaft sei.
Die Auszeichnung mit 10’000 Franken wurde der Korporation Zug (im Namen aller Landeigentümer), dem Kanton Zug, der Stadt Zug sowie den Gemeinden Baar, Cham und Steinhausen verliehen. Seit 2011 zeichnet die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz jährlich für besonderes Engagement im Bereich des Erhalts und der Förderung von Landschaften aus.
Regionaljournal Zentralschweiz, 15.4.2026, 6:30 Uhr